Milde Strafe für Serienbrandstifter

Viermal sorgte der heute 22-Jährige dafür, dass es im Umfeld seines Heimatdorfes im Landkreis Schwandorf lichterloh brannte. Schaden in einer Gesamthöhe von bis zu einer Million Euro richtete er damit an. Ein Schwandorfer Gericht ließ ihn nun mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Archiv-Bild: frd
Lokales
Schwandorf
08.10.2014
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Er legte vier Brände, sorgte für immens hohen Schaden und versetzte die Bürger seines Heimatortes in Angst und Schrecken. Dafür bekam ein 22-Jähriger zwei Jahre Haft zur Bewährung. Bei den Geschädigten sorgte das Urteil für Unverständnis.

Er wird den Schaden nie gutmachen können. Was der Brandstifter in Schutt und Asche legte, waren Sachwerte zwischen 600 000 und einer Million Euro. Genau wird sich das erst sagen lassen, wenn alle Versicherungen gezahlt haben. "Warum das alles?", fragte der Vorsitzende des Schwandorfer Jugendschöffengerichts, Johann-Peter Weiß, den Angeklagten. Was er hörte, lässt sich so zusammenfassen: Da saß einer vor ihm, der in seinem Heimatdorf im Landkreis bei der Ortsfeuerwehr diente, gerne zu Hilfe eilen wollte und deswegen die Brände selber legte.

Eher harmlos fing es an

Die Serie begann mit einem in Flammen stehenden Holzstoß. Löschmannschaften rückten aus, dämmten das Feuer rasch ein. Das war am 2. Oktober 2011. Am Abend des gleichen Tages heulten die Sirenen abermals. Eine große Scheune loderte lichterloh. 180 brennende Strohballen sorgten für eine Situation, die zunächst nicht in den Griff zu kriegen war. Die Folge: Auch eine angrenzende Lagerhalle fing Feuer. Darin befanden sich wertvolle Werkzeuge.

"Wer kann das gewesen sein?", wurde im Dorf diskutiert. Doch der Brandstifter blieb unentdeckt und setzte seine Verbrechen fort. Wenige Wochen später, am zweiten Weihnachtsfeiertag 2011, begab er sich hinaus vor den Ort, legte Feuer an einer Feldscheune, rückte selbst mit aus.

Übrig blieben ein Haufen Schutt und ganz besonderer Frust beim Besitzer. Der Mann hatte keine Versicherung. Mühsam und unter großen persönlichen Anstrengungen schritten die Opfer der Brandstiftungsserie zum Neuaufbau. "Tag und Nacht", sagte jetzt einer von ihnen beim Prozess, "war ich mit Eigenleistungen beschäftigt". Im Dorf ging die Angst um. Denn weitere Anschläge wurden befürchtet. Der Täter gab allerdings eineinhalb Jahre Ruhe. Erst am 26. Mai 2013 schlug er wieder zu. Abermals wurde ein Großeinsatz ausgelöst, als mitten in der Nacht eine Maschinenhalle wie Zunder loderte.

Bei Feuerwehr auffällig

Erneut wurde die Kripo tätig. Sie hörte, dass es da einen jungen Mann gab, der als Feuerwehrmann Geld aus einer Vereinskasse genommen hatte. Die Ermittler erfuhren auch, dass der gleiche Ortsbewohner vier Mal in die Bierkasse eines Dorfwirtshauses griff. Man nahm ihn vorläufig fest, brachte den damals 21-Jährigen nach Regensburg und setzte zu einer fünfstündigen Vernehmung an. Dieser Befragung wohnte auch ein eigens aus München angeforderter Spezialermittler bei. Der Verdächtige legte ein Geständnis ab und wiederholte es jetzt vor den Richtern.

Der heute 22-Jährige wohnt noch immer in dem Dorf. "Eher unverständlich", wie er vom Richter und von Staatsanwältin Dr. Barbara Tutsch hörte. Die Leute meiden ihn, er wird sich nie wieder in die Gemeinschaft eingliedern können. Zu tief sitzen Frust und Ärger über einen, der aus "Imponiergehabe" - diese Bezeichnung fiel beim Prozess - für riesige Schäden sorgte.

Erwachsener oder Heranwachsender? Diese Frage dominierte in der vierstündigen Verhandlung. Das Gericht entschied sich, nach Jugendstrafrecht zu urteilen. Es schloss sich damit den Auffassungen der Staatsanwältin und des Verteidigers Dr. Bernd Kalsbach an. An dieser Einordnung orientierte sich die Strafe. Der 22-Jährige, minimal vorgeahndet und einst einer der Feuerwehr-Jugendwarte im Dorf, bekam zwei Jahre zur Bewährung und muss einen zweiwöchigen Jugendarrest verbüßen. Außerdem erhielt er die Weisung, 2000 Euro an den Besitzer der damals abgebrannten Feldscheune zu zahlen. Dies deswegen, weil der Mann nicht versichert war.

Wenig Verständnis dafür

Nach dem Urteil kochte die Volksseele bei denen, die den Zuhörerraum füllten und nicht einsehen mochten, dass nicht mit aller Härte durchgegriffen wurde. Unter ihnen Geschädigte und deren Angehörige. Ihnen war - und das erschien durchaus verständlich - unmöglich klarzumachen, warum da Bewährung gewährt wurde.
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