Mindestens eine Nachtwache für je 40 Altersheimbewohner: Das schreibt eine ...
Ministerin sorgt für Stirnfalten

Lokales
Schwandorf
23.07.2015
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Mindestens eine Nachtwache für je 40 Altersheimbewohner: Das schreibt eine Verwaltungsvorschrift spätestens ab 1. Januar 2016 vor. Der Vorstoß von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hat aus Sicht des Bürgerspital-Geschäftsführers Egon Gottschalk einen Haken.

Etwa 170 Bewohner hat das Elisabethenheim im Jahresschnitt, die Nachtwache wird von drei Pflegekräften übernommen. Nach dem Ministeriums-Erlass wären 4,3 notwendig - "Wir brauchen elf Stunden mehr pro Nacht", sagte Gottschalk im Pflegeheimausschuss am Dienstag. Der Haken: Das zusätzliche Personal müsste entweder aus den Tagschichten abgezogen oder zusätzlich eingestellt werden. Letzteres würde zu höheren Kosten für die Bewohner führen. Der generelle Personalschlüssel wurde nämlich nicht erhöht. In zurückliegenden Pflegesatzverhandlungen mit den Pflegeversicherungsträgern hatte das Schwandorfer Heim in der Vergangenheit schon manches Mal zu kämpfen. Nicht weil zu viel Personal vorgehalten würde, sondern weil im Bürgerspital nach den verhältnismäßig guten Tarifen des öffentlichen Dienstes bezahlt wird.

Außerdem: Im Elisabethenheim leben überdurchschnittlich viele rüstige Senioren: etwa 25 Prozent. "Wir kommen mit den drei Stellen nachts gut zurecht", sagte Gottschalk. Welche Aufgaben sollen die rechnerisch 1,3 zusätzlichen Mitarbeiter dann erfüllen? Ein Szenario, das Gottschalk ebenso wie der Ausschuss ablehnt wäre, dass Bedürftige wieder nachts gewaschen werden. "Jetzt waschen wir morgens, wenn die meisten Hände da sind. Wenn die fehlen....", stellte Gottschalk in den Raum. Aber: Das Waschen in der Nacht würde zum Beispiel den Qualitätsanforderungen der Heimaufsicht widersprechen.

Was Gottschalk kritisiert ist, dass die Vorschrift pauschal für alle Einrichtungen gilt. Er hielte eine Prüfung für sinnvoller, die die Voraussetzungen vor Ort stärker berücksichtigt. Nach bisherigem Stand muss die Verordnung aber ab Januar erfüllt werden. Bis dahin hat das Bürgerspital noch Frist.

Das vergangene Jahr schloss das Elisabethenheim mit einem Verlust von 13 132 Euro ab, nach einem Gewinn von 96 400 Euro im Jahr 2013. Die Vermögensverwaltung Stiftung erzielte aus dem Holzgeschäft und dem Verkauf von Baugrundstücken in Steinberg einen Jahresüberschuss von gut 365 000 Euro, 150 000 Euro mehr als vor einem Jahr. Die Vermögensverwaltung gewährt dem Heim günstige Darlehen, zuletzt für den Neubau. Konsolidiert ergab sich für die Bürgerspitalstiftung bei einer Bilanzsumme von gut 15,2 Millionen Euro ein Jahresüberschuss von gut 352 000 Euro. Im Schnitt waren im vergangenen Jahr 123 Menschen am Elisabethenheim tätig.
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