Nabaltec macht gute Erfahrungen bei der Integration - Wirtschaft braucht Potenziale
Behindert, aber voll im Einsatz

Roland Splittgerber (rechts) in der Leitstelle der Nabaltec AG: Von hier aus steuern er und seine Mitarbeiter die Produktionsabläufe. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
29.07.2015
36
0
Roland Splittgerber ist zu 70 Prozent schwerbehindert und könnte nach 46 Dienstjahren längst in Rente gehen. "Ich mache die 50 voll", sagt der Betriebsassistent der Nabaltec AG, der im Chemieunternehmen für die Produktion flammhemmender Füllstoffe verantwortlich ist und 30 Leute "unter sich" hat. Trotz oder gerade wegen seiner körperlichen Einschränkungen will er sich und den anderen beweisen, "dass behinderte Menschen vollwertige Arbeitskräfte sind".

Der gebürtige Dortmunder erlernte 1969 bei den "Vereinigten Aluminiumwerken" (VAW) den Beruf des Chemielaboranten und wechselte mit 31 Jahren ins VAW-Werk nach Schwandorf. Seit einer schweren Erkrankung sind Koordination und Feinmotorik gestört. "Ich habe aber deswegen im Betrieb niemals Probleme gehabt", erklärt der Sprecher von 18 behinderten Mitarbeitern der Nabaltec AG, dem Nachfolgeunternehmen der VAW. "Das ist nicht überall so", weiß Eveline Reil von der Agentur für Arbeit. Die Teamleiterin für "Rehabilitanden und Schwerbehinderte" gab bei einer Veranstaltung bei der Firma Nabaltec aktuelle Zahlen bekannt. Im Juni waren im Agenturbezirk Schwandorf 848 Menschen mit Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet. Das entspricht 12,6 Prozent aller Arbeitslosen (6745). Eveline Reil spürt allerdings "eine positive Tendenz". Seit Jahresbeginn sind 336 schwerbehinderte Arbeitnehmer in eine Erwerbstätigkeit gekommen.

Förderung möglich

Für Winfried Mellar, den Geschäftsführer "Fachkräftesicherung" bei der Industrie- und Handelskammer Oberpfalz, werde die Wirtschaft die Potenziale von Behinderten, Migranten, älteren Menschen und Frauen in Zukunft "noch wesentlich stärker" ausschöpfen müssen. Denn "bis zum Jahr 2030 werden wir in Deutschland sechs Millionen weniger Erwerbstätige haben". Die IHK ist Partner der Initiative "Wirtschaft inklusiv", gefördert von der "Bundesarbeitsgemeinschaft für ambulante berufliche Rehabilitation e.V." Mit im Boot sind außerdem das "Berufliche Fortbildungszentrum der bayerischen Wirtschaft" und die "Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration". Unter dem Motto "Wir brauchen alle" startete das Netzwerk eine Veranstaltungsreihe mit dem Ziel, den Unternehmen die Fördermöglichkeiten bei der Beschäftigung von behinderten Menschen und Lösungsansätze bei Problemen aufzuzeigen. Dazu referierten Vertreter der Arbeitsagentur, der Rentenversicherung und des Integrationsamtes.

Roland Splittgerber ermuntert die Firmen zur Einstellung von Menschen mit Behinderung. "Sie leisten mehr als Gesunde, weil sie ihre Behinderung verbergen wollen", beschreibt er seine Beobachtung.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.