Nach Drogenfund abgehauen

170 Gramm Marihuana fanden Zollbeamte auf einer Toilette im "Alex" von Prag nach München. In Verdacht steht ein junger Schwandorfer. Wegen seiner Flucht über Gleisanlagen gaben sie Warnschüsse ab. Archivbild: dpa
Lokales
Schwandorf
06.05.2015
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170 Gramm Marihuana auf einer Zugtoilette. Ein Schwandorfer, keine 21 Jahre alt , des Schmuggels verdächtig. Schüsse auf dem Bahnhofsgelände am Samstag. Und eine Staatsanwaltschaft Amberg, die bis Montagvormittag nichts von alledem weiß.

Sie wurde von den Pressemeldungen am Montag kalt erwischt und machte sich danach erst schlau. Nun kommt dank Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier, Sprecher der Amberger Staatsanwaltschaft, Licht ins Dunkel der Vorgänge vom vergangenen Samstagabend. Wie er am Mittwoch auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte, wurde von Zöllnern auf einer Toilette im Zug von Prag nach München Marihuana gefunden. In einem Waggon saß ein Pärchen aus Schwandorf. Der Verdacht fiel schnell auf den Mann, weil ein Gepäckstück auffallend nach dem "Stoff" roch. Die nach dem Strafgesetz noch Jugendlichen, deren Personalien laut Zoll bereits im Zug aufgenommen wurden, stiegen in Schwandorf aus. Dort sollten laut Angaben des Zolls vom Montag die Kontrollen fortgesetzt werden.

Flucht ermöglicht?

Der Verdächtige sprang aber plötzlich vom Bahnsteig, um über die Gleisanlagen zu entkommen. Die junge Frau, so Strohmeier am Mittwoch, lieferte sich "eine "leichte Rangelei" mit den Zollbeamten. Ob sie so die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte, um ihrem Freund die Flucht zu ermöglichen, konnte Strohmeier weder bejahen noch verneinen. Dass ein Zöllner leicht am Beim verletzt wurde - was Zeugen gesehen haben wollen - ist dem Oberstaatsanwalt nicht bekannt.

Damit der junge Mann stehen bleibe, seien Warnschüsse gefallen. Davon, dass der Bursche vor einem herannahenden Zug gewarnt werden sollte, wisse er nichts. Die drei Schüsse seien "reine Zollangelegenheit", folglich gebe es auch interne Überprüfungen. Eingebunden in die Aktion vom Samstagabend waren laut Strohmeier auch Polizeibeamte. Noch in der Nacht wurde die Wohnung des jungen Mannes im Stadtbereich durchsucht.

Keine "geringe Menge"

"Bei 170 Gramm handelt es sich nicht mehr um die Einfuhr und den Besitz einer geringen Menge." Allerdings ist der Verdächtige in Freiheit. "Da er einen festen Wohnsitz hat, wurde er nach der Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt." Gegen die junge Frau werde bislang nicht wegen des Marihuanas ermittelt, im Raum stehe hier Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte oder eventuell Strafvereitelung.

Strohmeier bedauerte mehrmals, dass die Staatsanwaltschaft Amberg nicht von Anfang an eingebunden, vielmehr "ignoriert" wurde. Sie habe sich erst nachträglich eingeschaltet, nachdem sie auf die Zeitungsberichte vom Montag aufmerksam gemachten worden sei. Das Verfahren gegen den noch keine 21 Jahre alten Schwandorfer, werde jedoch in Amberg geführt. Nach dem Gesetz ist er noch Heranwachsender.

Dass Drogen beim Grenzübertritt auf Zugtoiletten oder auch in Papierkörben versteckt werden, ist laut Strohmeier üblich. Wenn die Kontrollen vorbei sind, werden sie wieder geholt.
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