Nach Kaltstart voll in Fahrt

Günter Burgerspfleger, Geschäftsführer des Jobcenters im Landkreis Schwandorf, gab einen Überblick über die ersten zehn Jahre seines Amtes. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
14.02.2015
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Was heute Jobcenter heißt und sich früher "Arge" nannte, gibt es seit nunmehr zehn Jahren - seit der Einführung des Zweiten Buches des Sozialgesetzbuchs (SGB II) Anfang 2005. In dieser Zeit hat sich die Zahl der Betroffenen im Landkreis deutlich verändert.

Richtig los ging es laut Günter Burgerspfleger, dem Geschäftsführer des Jobcenters im Landkreis Schwandorf, bereits im Sommer 2004, als ein "bunt zusammengewürfelter Haufen" von Mitarbeitern erste Vorkehrungen traf, um für mehrere tausend Menschen des Landkreises Schwandorf die finanzielle Sicherung des Lebensunterhaltes ab 2005 sicher zu stellen.

"Bunt zusammengewürfelt" deshalb, weil sich zur Vorbereitung auf den Stichtag 1. Januar 2005 Kollegen aus der Arbeitsagentur, des Landratsamtes oder auch aus anderen Behörden, wie Post und Telekom als sogenannte "Amtshilfekräfte", in einer Art "Vorbereitungsteam" wiederfanden. Schwerpunkt bildete die Überleitung und Zusammenführung von Agenturkunden aus der damaligen Arbeitslosenhilfe und Kunden des Landratsamtes aus der Sozialhilfe.

Größte Sorge galt der Frage, ob es gelingen werde, punktgenau zum Stichtag tausende von Menschen mit einem neuen Gesetz, einem neuen EDV-System, neuen Mitarbeitern Existenz sichernd mit Geldleistungen zu versorgen. Viele der damaligen Mitarbeiter können sich noch gut an die Samstagsarbeit, die erforderlich war "um das Ganze zum Laufen" zu bringen, erinnern; aber auch an eine Reihe von "Systemabstürzen", die das Arbeiten für Stunden, aber auch für ganze Tage unmöglich machten und dem daraus resultierenden, sich zuspitzenden Termindruck. Etliche Kollegen der "Ersten Stunde" arbeiten immer noch im Jobcenter. Diese Jobcenter wurden bis Ende 2010 als "Argen" bezeichnet.

Neue Kräfte eingestellt

Tatsächlich gelang es, mehr als 6000 Menschen mit Geldleistungen zu versorgen; damals erstmalig erhobene Zahlen müssen in der Rückschau, so Burgerspfleger, als "recht weich" bezeichnet werden. Neben der vorrangigen Versorgung von Landkreisbewohnern mit Geldleistungen war es in den ersten Monaten des Jahres 2005 von großer Bedeutung, weitere Mitarbeiter zum Aufbau einer funktionierenden Arbeitsvermittlung zu gewinnen. Der Personalbedarf wurde zur Einführung des neuen Gesetzes zu niedrig eingeschätzt.

Darum war es dringend erforderlich, Kollegen und Kolleginnen aus Arbeitsagentur, Landratsamt und anderen Behörden zu akquirieren. Nachdem dies nicht im notwendigen Umfang möglich war, mussten im Lauf der folgenden Jahre eine Reihe von Kräften neu eingestellt werden. Das heißt, dass eine ständige Personalfluktuation das Arbeiten nicht unbedingt erleichterte.

Ein hoher Qualifizierungsaufwand war erforderlich, um alle Betroffenen auf den etwa gleichen Kenntnisstand zu bringen. Bis heute stellt die Qualifizierung der Mitarbeiter eine wichtige Aufgabe für das ganze Jobcenter dar. Im Rückblick bleibt laut Burgerspfleger festzuhalten, dass es zwei bis drei Jahre dauerte, bis von einer Art "Normalbetrieb" gesprochen werden konnte. Unter anderem galt es, in den ersten Jahren viele Dutzende von Rechts- und Systemänderungen umzusetzen, die die Aufgabenerledigung nicht einfacher machten.

In dieser Zeit sprachen täglich bis zu 120 Kunden persönlich in der Behörde vor; es wurden Anliegen geklärt, Anträge gestellt, Integration realisiert, Förderungen genehmigt und ähnliches mehr. Heute führt eine Beratung mit Termin zu allenfalls kurzen Wartezeiten für den Kunden und die Dienstleistungen können deutlich effizienter erbracht werden.

Erstmals fiel im Jahr 2009 die Zahl der Leistungsberechtigten unter die 5000er-Marke, nachdem ursprünglich über 6000 Menschen im Landkreis mit Leistungen zum Lebensunterhalt versorgt wurden.

Anfang 2011 wurden die "Argen" per Gesetz in sogenannte Jobcenter umgewandelt. 2011 sank überdies die Zahl der Leistungsberechtigten erstmals unter 4000. Aktuell liegt die Zahl der Leistungsberechtigten bei rund 3600.

Platz 75 von 402

"Diese Zahlen spiegeln ganz klar eine sehr erfreuliche Entwicklung des gesamten Landkreises Schwandorf wieder, die glücklicherweise bis heute anhält", versicherte Günter Burgerspfleger. In der bundesweiten "10-Jahres-Entwicklung" (hier werden 402 Jobcenter oder Optionskommunen verglichen) verhelfen diese Zahlen dem Landkreis Schwandorf zu Platz 75 von 402 .
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