Nackt-Foto verschickt, Kind unsittlich berührt: Bewährungsstrafe für 21-Jährigen
Täter muss im Blickfeld bleiben

Lokales
Schwandorf
11.02.2015
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Er war 19 Jahre alt und wurde plötzlich auffällig. Erst schickte der junge Mann ein Nacktfoto von sich per PC an eine Schülerin, dann berührte er ein Kleinkind unsittlich. Das Schwandorfer Jugendschöffengericht hörte nun von ihm: "Das war so."

Auf schweren sexuellen Missbrauch steht bei Erwachsenen eine längere Haftstrafe ohne Bewährung. Bei Jugendlichen und Heranwachsenden kann Bewährung gegeben werden. Doch das hat unter Auflagen zu geschehen. Im vorliegenden Fall waren sie bereits im Vorfeld erfüllt worden: Der Angeklagte, heute 21 Jahre alt, bekam unterdessen einen Betreuer und befindet sich in einer Einrichtung, deren Personal sorgsam seine weitere Entwicklung beobachtet.

Was 2013 in einer Ortschaft im westlichen Landkreis Schwandorf geschah, führte zu umfangreichen Ermittlungen von Kripo und Staatsanwaltschaft. Der damals 19-Jährige chattete mit einer sich noch im Kindesalter befindlichen Schülerin, wobei der Dialog schließlich dazu führte, dass der junge Mann ein Foto schickte, das ihn in der unteren Körperpartie unbekleidet zeigte. Während des von Jugendrichter Johann-Peter Weiß geführten Prozesses wurde deutlich, dass er dazu quasi aufgefordert worden war.

Sozialverhalten gestört

Weitaus schwerer wog, was die Staatsanwältin Michaela Frauendorfer dem Beschuldigten außerdem anlastete. Nur wenige Tage später folgte er einer Fünfjährigen, die sich seinerzeit zu Besuch in seinem Elternhaus befand, auf die Toilette und berührte das Kind unsittlich. Dadurch, so die Anklagevertreterin, sei der Tatbestand des schweren sexuellen Missbrauchs erfüllt worden.

Das wurde später auch vom Jugendschöffengericht so gesehen. Die an eine Schülerin geschickte Lichtbildaufnahme stuften die Richter als "Verbreitung pornografischer Schriften" ein. In dem Verfahren, durch das Geständnis ohne eine Vernehmung der Zeuginnen ablaufend, ging es primär um die strafrechtliche Einordnung des mit seinem Betreuer erschienenen Angeklagten. Dazu war der Nürnberger Psychiater Thomas Lippert als Gutachter geladen.

Lippert attestierte dem 21-Jährigen "eingeschränkte Intelligenz", er sprach ferner von einer Störung des Sozialverhaltens. Das brachte den Mediziner zu der Empfehlung, den bisher nicht vorbestraften Mann in eine fachgerechte Behandlung zu geben und ihn dort zu belassen, wo er seit einem Jahr ist: In einer sozialtherapeutischen Einrichtung.

Weiter in Therapie

Zu dieser Auffassung gelangte auch Staatsanwältin Frauendorfer. Für die begangenen Straftaten forderte sie zwei Jahre Haft mit Bewährung. "Ein Jahr ist ausreichend", vertrat Verteidiger Jörg Jendricke (Amberg) seinen Standpunkt. Das Jugendschöffengericht verhängte eineinhalb Jahre mit Bewährung, ordnete die Behandlung durch einen Psychotherapeuten an und schrieb ins Urteil: "Er muss dort bleiben, wo er jetzt ist."
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