"Nein zu Gewalt gegen Frauen"

Polizeihauptkommissarin Marianne Kargl: "Gewalt ist keine Privatsache."
Lokales
Schwandorf
27.11.2015
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Im vergangenen Jahr kamen in Bayern 18 667 Fälle von häuslicher Gewalt zur Anzeige. 1258 waren es in der Oberpfalz und 157 im Landkreis Schwandorf. Marianne Kargl geht dabei von "einer Dunkelziffer mit dem Faktor fünf aus".

Die Frauenbeauftragte am Polizeipräsidium Oberpfalz ermuntert die Betroffenen, aus der Isolation herauszutreten. "Auf keinen Fall unter den Teppich kehren", so die Polizeihauptkommissarin. Kargl sprach anlässlich des Gedenktages "Nein zu Gewalt gegen Frauen", den die Gleichstellungsstelle des Landratsamtes am Mittwoch erstmals in der Spitalkirche ausrichtete.

Dort, wo der Mensch eigentlich Geborgenheit erwarte, entwickle sich nicht selten eine Spirale der Gewalt, sagte die Referentin. Leidtragende seien zu 85 Prozent Frauen und die Kinder der Familien. Warum werden die Männer und Väter plötzlich aggressiv? Kargl nennt eine Reihe von Gründen für körperliche Übergriffe: Alkohol, Stress im Beruf, Arbeitslosigkeit, Mangel an Selbstwertgefühl oder gesellschaftliche Ausgrenzung. "Manche waren in ihrer Kindheit auch Opfer von Gewalt", erfährt die Polizeibeamtin bei der Vernehmung. Zur physischen komme nicht selten die psychische Gewalt. Der Mann verbiete der Frau soziale Kontakte, lasse sie finanziell hängen und übe Macht aus.

Hilfe bei Frauenhäusern

Was ist zu tun? Marianne Kargl rät den Frauen, sich Hilfe zu holen. Denn: "Gewalt ist keine Privatsache." In Bayern gebe es 40 Frauenhäuser, davon vier in der Oberpfalz, an die sich die Betroffenen wenden können. Hinzu kommen Beratungsstellen und Arbeitskreise, die Hilfe anbieten. Bei der Veranstaltung in der Spitalkirche stellten sie die Vertreter des Diakoniezentrums, der Erziehungsberatungsstelle, der Familien- und Lebensberatungsstelle, des Frauenhauses und des Arbeitskreises gegen sexuellen Missbrauch vor. Gleichstellungsbeauftragte Helga Forster wies vor allem auf das Leid der Flüchtlingsfrauen hin, die besonders sexueller Gewalt ausgesetzt seien. "Vergewaltigungen werden als Mittel der Kriegsführung eingesetzt", so Forster. Diese Frauen bedürften der besonderen Zuwendung. Für zweite Bürgermeisterin Ulrike Roidl ist das Thema so alt wie die Menschheit. Nur: "Heute kommen die Frauen eher aus Situationen heraus, die für sie unerträglich geworden sind."

"Kein Kavaliersdelikt"

Landrat Thomas Ebeling war als ehemaliger Familienrichter auch mit "Vergehen nach dem Gewaltschutzgesetz" befasst und betonte: "Sie sind kein Kavaliersdelikt." Er sei froh über den breiten Konsens in der Gesellschaft und die Entwicklung des Netzwerkes "Keine Gewalt gegen Frauen und Kinder" mit mittlerweile 25 Kooperationspartnern. Musikalisch begleiteten die Veranstaltung Schülerinnen der Mädchenrealschule St. Josef. Das Catering übernahm die Schülerfirma der Kreuzbergschule.
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