Netzwerk will Palliativ-Versorgung ausbauen
Die letzte Hilfe

Die Palliativ-Netzwerkpartner unterzeichneten die gemeinsame Charta der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und der Bundesärztekammer. Sitzend sind dabei Landrat Thomas Ebeling und Chefarzt Dr. Christoph Balzer zu sehen. Am 21. Oktober ist das nächste Treffen im St. Barbara-Krankenhaus. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
16.10.2015
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Die neun Partner des Palliativ-Netzwerkes im Landkreis treffen sich am 21. Oktober im St.-Barbara-Krankenhaus, um dem Ziel näher zu kommen, unheilbar kranken Patienten ein menschenwürdiges Lebensende zu ermöglichen. So steht es in der Charta der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und der Bundesärztekammer, die der Arbeitskreis unterzeichnet hat.

Einer der Netzwerkpartner ist der "Hospizverein Stadt und Landkreis Schwandorf" , der aktuell 19 todkranke Patienten im Landkreis und deren Angehörige ehrenamtlich betreut. Zum Welthospiztag trat er mit zwei Veranstaltungen an die Öffentlichkeit: einem meditativen Konzert in der Spitalkirche und einem Informationsabend am Mittwoch in den Büroräumen in der Brauhausstraße. Im Impulsfilm "So möchte ich nicht länger leben" kamen Ärzte, Geistliche und eine unheilbar kranke Patientin zu Wort, die am Ende zum Sterben in die Schweiz fahren musste. Der Film verdeutlichte das Wechselbad der Gefühle, die Hochs und Tiefs und die Hilflosigkeit der Mediziner, Pfleger und Angehörigen.

Der Vorsitzende des Hospizvereins, Dr. Wolfgang Laaths, erläuterte die rechtliche Lage in Deutschland. "Aktive Sterbehilfe ist verboten", so der Jurist. Wer dagegen passive oder indirekte Sterbehilfe leiste, medizinische Eingriffe unterlasse, Medikamente im Einverständnis mit dem Patienten absetze oder eine Überdosis an Schmerzmitteln verabreiche, die den Todeseintritt beschleunigen, werde nicht belangt. Deshalb seien Patientenverfügungen und Willenserklärungen für den Arzt so wichtig, betonte der ehemalige Richter. Von der Gesetzesnovellierung erwartet Dr. Laaths eine für alle Bundesländer einheitliche Regelung und vor allem eine Stärkung der Hospiz- und Palliativversorgung.

Noch gibt es im Landkreis nur den Pflegedienst "Pallicura", der mit Ärzten und Pflegekräften Leistungen der spezialisierten Palliativversorgung erbringt. Allerdings nur ambulant zu Hause oder im Seniorenheim. Klinikbetten zur Palliativversorgung gibt es im Landkreis nicht. Die Leiterin der Seniorenfachstelle am Landratsamt, Evi Seitz, geht von jährlich 1000 sterbenden Patienten im Landkreis aus, "die sich eine palliative Begleitung wünschen". Aber nur ein Bruchteil davon könne auch versorgt werden.

Deshalb ist für den Chefarzt des St. Barbara-Krankenhauses, Dr. Christoph Balzer, ein Palliativnetzwerk im Landkreis so wichtig. Das sieht auch die Koordinatorin beim Hospizverein, Michaela Koller, so. Sie wirbt deshalb um Mitglieder im Team der ehrenamtlichen Sterbebegleiter und kündigt für Januar 2016 einen neuen Begleiterkurs an. Wer daran teilnehmen möchte, soll sich mit dem Büro in der Brauhausstraße 9 in Schwandorf (Telefon 0 94 31 / 79 98 76) in Verbindung setzen. Die Partner des Palliativnetzwerkes: Seniorenfachstelle des Landkreises, Caritas-Hospizinitiative, Hospizverein Stadt und Landkreis, Pallicura, Johannes-Hospiz, Ärztlicher Kreisverband, St. Barbara-Krankenhaus, Asklepios Burglengenfeld und Staatliches Gesundheitsamt.
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