Nicht mal Schweine bringen Glück

Wir brauchen neue Exportmärkte.
Lokales
Schwandorf
19.09.2015
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Extreme Witterung, niedrige Erzeugerpreise und bürokratische Auflagen: Für die Landwirte kommt es in diesem Jahr knüppeldick. Hans Wilhelm, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, drückt es so drastisch aus: "Den Ferkelerzeugern und Schweinemästern bleibt momentan nur noch die Gülle".

Anton Scherr aus Katzdorf (Stadt Neunburg vorm Wald) ist Vorstandsmitglied der "Erzeugergemeinschaft Südostbayern" und seit 40 Jahren Ferkelerzeuger. Er kann sich an eine derartige Misere nicht erinnern. "Wir lechzen nach einer Veränderung der wirtschaftlichen Situation", sagte er am Freitag bei einem Pressegespräch in den Räumen des Bayerischen Bauernverbandes. Das Problem: Die EU-Länder erzeugen mehr Schweinefleisch als die Bürger verzehren. "Wir brauchen neue Exportmärkte", fordert Anton Scherr von den politischen Entscheidungsträgern. Er denkt vor allem an China, das mit Schweinefleisch unterversorgt sei.

Im Landkreis gibt es noch 188 Mastbetriebe und 93 Ferkelerzeuger. Tendenz sinkend. "Der Strukturwandel schreitet unaufhaltsam voran", erklärt Landwirtschaftsdirektor Georg Leitermann, Sachgebietsleiter am Amt für Landwirtschaft. Die Mastbetriebe bekommen derzeit 1,45 Euro pro Kilogramm Schweinefleisch, 1,75 Euro müssten es aber sein, so Leitermann. Die gleiche Situation bestehe bei den Ferkeln. Statt der wirtschaftlich notwendigen 70 Euro pro Tier erhielten die Bauern momentan nur die Hälfte.

Alfred Bauer, stellvertretender Kreisobmann aus Nefling (Stadt Neunburg), ist Kartoffelerzeuger und erwartet heuer nur die Hälfte des durchschnittlichen Ertrages. Weil europaweit aber genügend Ware vorhanden sei, würden die Veredelungsbetriebe auch nicht mehr zahlen als vereinbart. "Die Verträge sind Anfang des Jahres geschlossen worden", so Bauer. So eine extreme Witterungs- und Ertragssituation wie heuer hat er noch nicht erlebt.

Josef Wittmann beklagt die Machtkonzentration der Lebensmittelketten. "Sie tragen ihren Preiskampf auf dem Rücken der Erzeuger aus", meint der BBV-Geschäftsführer. In den von Brüssel angekündigten Ausgleichszahlungen von 70 Millionen für die deutschen Milchbauern sieht er zwar einen ersten Schritt zur Linderung der Misere, "jetzt müssen aber weitere folgen". Zum Beispiel die Entlastung bei den Sozialversicherungsbeiträgen: "Damit wäre vielen Betrieben geholfen".
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