Noch Bedarf an "Bufdis"

Felix Richter (21) leistet Bundesfreiwilligendienst: Vor seinem dualen Studium arbeitet er für ein halbes Jahr bei der Caritas in Schwandorf.
Lokales
Schwandorf
13.06.2015
10
0

Felix Richter ist eigentlich ein Mann der Technik. Nach vier Semestern Informatik steht jetzt aber soziale Arbeit an: Der 21-Jährige ist "Bufdi". Der Bundesfreiwilligendienst wurde nach der Aussetzung der Wehrpflicht ins Leben gerufen. Im Landkreis gibt es diesbezüglich aber noch ein bisschen Nachholbedarf.

Der 21-Jährige Schwandorfer ist einer von insgesamt zwölf jungen Menschen, die derzeit im Landkreis Bundesfreiwilligendienst leisten. Das ist nicht besonders viel, wenn man sich den Vergleich mit anderen Oberpfälzer Landkreisen anschaut (siehe grüner Kasten). Dabei gab es für Felix Richter einige gute Gründe, nach dem Studienabbruch nicht ein halbes Jahr lang die Füße hochzulegen, bevor er mit seinem dualen Studium anfängt. Da sind zum einen die interessanten Erfahrungen in einem anderen Beruf. Ein Grund für ihn war auch der Lebenslauf: Lücken machen keinen guten Eindruck. Zu guter Letzt hat auch der Verdienst eine Rolle gespielt, sich als "Bufdi" zu bewerben.

Seit Februar ist der junge Mann bei der Caritas in Schwandorf beschäftigt und erledigt dort zum Beispiel Fahrten für Rezepte oder zu Reparaturen, hilft bei der Einrichtung des Zimmers für die Asylberatung in Neunburg vorm Wald, oder unterstützt die Mitarbeiter der offenen Behindertenarbeit bei Ausflügen mit ihren Schützlingen. Bei der Caritas ist man froh über die Hilfe der "Bufdis": "Das sind wertvolle Tätigkeiten, die uns unwahrscheinlich unterstützen", sagt Caritas-Geschäftsführer Wolfgang Reiner.

Großteil beim Roten Kreuz

Das ist beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) ebenfalls so: "Der Wegfall der Zivi-Stellen war für uns ein großes Problem - und zwar nicht nur im Rettungsdienst, sondern im Allgemeinen", freut sich auch Kreisgeschäftsführer Alfred Braun über die Möglichkeit des Bundesfreiwilligendienstes als parallele Alternative zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr. Sieben der zwölf "Bufdis" im Landkreis Schwandorf sind beim BRK in den Rettungswachen Schwandorf, Nabburg, Burglengenfeld, Neunburg vorm Wald und Oberviechtach tätig. Die Bereiche erstrecken sich vom Rettungsdienst über Arbeiten in Seniorenheimen bis hin zur Hilfe im technischen Bereich.

Früher haben Zivildienstleistende laut Braun einen Teil abgedeckt, den das BRK für Zusatztätigkeiten dringend gebraucht habe. "Insofern bin ich sehr froh, dass die Bundesfreiwilligendienst-Regelung gekommen ist", betont der Kreisgeschäftsführer. Dabei verlief der Anfang eher schleppend: Im Jahr 2012 gab es beim Roten Kreuz im Kreis Schwandorf genau einen "Bufdi" - oder besser: eine "Bufdine". Vier waren es 2013 und acht im vergangenen Jahr. Im Herbst diesen Jahres werden vier weitere Freiwillige beim Roten Kreuz ihren Dienst beginnen. Mehr als acht bis zehn kann Braun aber nicht aufnehmen, da die Kapazitäten landesweit kontingentiert sind.

Eine davon, die derzeit beim Roten Kreuz in Schwandorf arbeitet, ist Hannah Dahlem aus Neunburg vorm Wald. Die 18-jährige Fachabiturientin ist im Rettungsdienst und für den Krankentransport eingesetzt. Für die junge Frau ein Traumjob, hat sie sich doch schon als Schulsanitäterin engagiert. Die Arbeit im Zuge des Bundesfreiwilligendienstes bietet der 18-Jährigen die Möglichkeit, tiefere Einblicke in den Beruf, den sie eventuell ergreifen möchte, zu bekommen.

Auf der Suche

"Bufdis" sucht zum Beispiel auch das Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf. "Wir sind gerne bereit, Bewerber aufzunehmen", sagt Pressesprecherin Marion Hausmann. Auch für das Krankenhaus hatte der Wegfall des Zivildienstes vor wenigen Jahren Folgen: Es mussten Tätigkeiten, die bis dahin die jungen Leute erledigten, verlagert und teilweise auch neue Stellen geschaffen werden. Ähnliche Töne sind auch vom Technischen Hilfswerk (THW) zu hören: Geschäftsführerin Ilona Knecht-Jesberger berichtet von drei "Bufdis" in der vergangenen Zeit beim THW. "Jetzt sind wir bemüht, wieder welche zu bekommen", beschreibt sie die Situation. Sehr gute Erfahrungen, sagt sie, habe das THW mit den jungen Leuten gemacht. Das ist im Schwandorfer Elisabethenheim scheinbar nicht der Fall gewesen. "Wir haben nicht so gute Erfahrungen gemacht, und das wirkt ein bisschen nach", beschreibt Heimleiter Egon Gottschalk, warum sich die Einrichtung bisher nicht um einen "Bufdi" bemüht hat. Das Elisabethenheim setzt eher auf die Möglichkeit, dort ein Praktikum machen zu können. Der Bundesfreiwilligendienst ist übrigens keineswegs nur für junge Leute: Als "Bufdi" ist man nie zu alt.

___

Weitere Informationen im Internet:

http://www.bundesfreiwilligendienst.de/
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.