Paar beteuert trotzdem seine Liebe füreinander
Erst Messerstich, dann Prügelattacke

Lokales
Schwandorf
05.11.2015
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Gewalt ist bei ihnen gängige Gepflogenheit. Heuer im Februar stach die Frau ihren Lebensgefährten mit einem Messer nieder. Drei Monate später fiel er über sie her, warf die 25-Jährige aufs Bett, schlug auf die Wehrlose ein und biss sie in den Bauch. "Wir haben Schwierigkeiten in unserer Beziehung", gestand das Paar nun vor dem Schwandorfer Amtsgericht.

In dem Haushalt im südlichen Landkreis ergibt sich nahezu täglich Streit, Zwist und gewaltsames Vorgehen zwischen dem 27-Jährigen und seiner zwei Jahre jüngeren Gefährtin. Ihre Probleme erzählten sie nun der Amtsrichterin Petra Froschauer. Dabei geriet die Juristin gleichsam zwischen die Fronten und hörte dabei, dass sowohl der Mann ("Ich liebe meine Freundin") als auch die Frau ("Ich habe wirklich selbst auch Anlass gegeben") unterdessen therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.

Abermals gewalttätig

Tatsächlich, so skizzierte sich heraus, hängen beide wie Kletten aneinander. Es gab Trennungen und Fortsetzungen der Partnerschaft. Geprägt war all das von regelmäßigen Meinungsverschiedenheiten. Im Februar wurde der 27-Jährige abermals gewalttätig. Die Mutter zweier Kinder nahm ein Küchenmesser und brachte ihm einen Stich bei. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein. Notwehr war nicht auszuschließen.

Die Frau bekam ein Kontaktverbot zu ihm. Sie missachtete es. An einem Abend im Mai eskalierten die Vorgänge. Der 27-Jährige erschien, klingelte, wurde eingelassen und fiel im Schlafzimmer über seine Freundin her. Im Protokoll der Polizei lasen sich die Folgen so: "Arme nach hinten gebogen, geschlagen, am Hals gewürgt, in den Bauch gebissen mit deutlichen Abdrücken der Zähne."

Das alles hatte die Frau so angegeben. Doch als sie nun vor der Richterin aussagen sollte, wurde der Übergriff relativiert. Die 25-Jährige, das wurde spürbar, nahm ihren Partner aus der Schusslinie. Das verwunderte nicht: Die Beziehung wird fortgesetzt. Der Beschuldigte schwieg. Er vernahm, das sich seine Partnerin selbst als eine der Triebfedern für die fortwährenden Streitigkeiten bezeichnete. Zum Freispruch allerdings, den Verteidiger Peter Grau verlangt hatte, kam es nicht.

Die Richterin verhängte 1200 Euro Geldstrafe gegen den 27-Jährigen, milderte die in einem Strafbefehl ausgesprochene Ahndung erheblich und rüffelte den Angeklagten: "Die Frau, die Sie angeblich lieben, haben Sie erheblich misshandelt!" Allein die Spuren des heftigen Bisses in den Bauch seien Beweis dafür. Auch das war von der 25-Jährigen verneint worden. Doch Polizisten hatten zwei Stunden nach der Attacke die Zahnabdrücke deutlich gesehen.
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