Parallelen in der Geschichte

Die jugendlichen Flüchtlinge erlebten im Schwandorfer Stadtmuseum einen aufschlussreichen Schultag. Die Ausstellungsstücke zum Bombenangriff vom 17. April 1945 riefen bei manchem Erinnerungen zur aktuellen Lage in seinem Heimatland hervor. Museumsleiterin Eva Maria Keil (Zweite von links) nahm sich viel Zeit, um den neuen Mitbürgern die Geschichte der Stadt zu erläutern. Bild: hfz
Lokales
Schwandorf
03.09.2015
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Das Stadtmuseum als Treffpunkt kultureller Vielfalt: Jugendliche Flüchtlinge erlebten einen besonderen Schultag und lernten so Sprache und Kultur ihrer neuen Heimat besser kennen.

"Frau Geiger, was ist ein Museum?" Diese Frage war Ausgangspunkt für einen ganz besonderen Schultag der Sprachlernklasse JFV 10A für jugendliche Flüchtlinge des Beruflichen Schulzentrums Oskar-von-Miller.

Hierauf und auch auf den damit verbundenen Wunsch, die neue Heimat kulturell besser kennenlernen und verstehen zu können, hatte Berufsschullehrerin Alexandra Geiger eine sehr passende und praktische Antwort parat: Sie beschloss spontan mit der Klasse das Stadtmuseum in Schwandorf zu besuchen.

Auch Gemeinsames

Mit offenen Armen, einem umfangreichen Wissen und viel Enthusiasmus empfing die Museumsleiterin Eva Maria Keil laut Pressemitteilung die interessierten jungen Leute aus unterschiedlichsten Flüchtlingsländern wie Eritrea, Somalia, Afghanistan oder Syrien, die als sogenannte "unbegleitete minderjährige Flüchtlinge" inzwischen in Schwandorf eine neue Heimat gefunden haben.

Sie führte sie durch "ihr Reich", das sich im Stadtmuseum auf die verschiedenen Kultur- und Naturräume Schwandorfs und der umliegenden Region erstreckt. Besonders spannend war dabei, dass es für die Jugendlichen zwar viel Unterschiedliches zu ihren ursprünglichen Lebenswelten in ihren Herkunftsländern, aber erstaunlicherweise ebenso Gemeinsames und Ähnliches zu entdecken gab.

Die Fliegerbombe

Im Raum, der sich der Stadtgeschichte widmet, faszinierte dabei zunächst ein sehr hartes Material: Feuersteine. Sie stammten hier von vor- und frühgeschichtlichen Fundplätzen in der mittleren Oberpfalz.

Aber auch in Syrien und in manchen afrikanischen Ländern sind Gegenstände aus festem Steinmaterial bekannt und somit einigen Schülern durchaus vertraut. Sie haben in ihrer ursprünglichen Heimat heutzutage noch mit einfachen Werkzeugen gearbeitet und erzählten Geschichten vom Feuermachen und von Kinderspielen mit verschiedenen Steinen.

Beeindruckt waren die Schüler vor allem von der Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg und von den Bildern des durch den Krieg zerstörten Schwandorf. Viele der Jugendlichen kennen solche Bilder aus der Gegenwart ihrer Herkunftsländer. Sie waren daher sehr erstaunt und betroffen zugleich, dass in Europa und vor allem in Deutschland vor einigen Jahrzehnten die Themen Bombardierung, Zerstörung, Tod, Flucht und Vertreibung den hier lebenden Menschen genauso viel Not und Bedrängnis bereiteten, wie dies heute noch in den Kriegsgebieten der Fall ist, aus denen die Jugendlichen stammen .

Sie historische Zusammenstellung eines Rahmens mit alten Fotos des Kolpingvereins bewog einen Schüler zu der besorgten Nachfrage, ob diese Männer denn alle tot seien und daher ihre Bilder ausgestellt wurden. Ihn erinnerte die Bildfolge an Bildarrangements getöteter Menschen in seiner Heimat. Er war ganz erleichtert, als er erfuhr, dass die Menschen auf den Bildern nur deshalb so ernst schauten, weil die Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts lange ruhig dasitzen mussten. Das machte die Fototechnik erforderlich.

Er vermisst sie

Viel Spaß hatten alle dann besonders im neuen NaturInfoZentrum, wo auch zahlreiche einheimische Tiere zu sehen sind. Einen Jungen erinnerte das Reh an eine afrikanische Gazelle und er erzählte von den Tieren seiner Heimat, zu denen ebenso Löwen, Zebras und Elefanten gehören und die er in Deutschland vermisst.
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