Professor Dr. Gerhard Hirzinger entwickelte Geräte für die Weltraumfahrt
Aus dem All in die Werkshallen

Professor Dr. Gerhard Hirzinger hielt den Festvortrag bei der ersten Verleihung des Landkreis- Zukunftspreises im Jahr 2010. Der herausragende Wissenschaftler ist gebürtiger Schwandorfer. Archivbild: Götz
Lokales
Schwandorf
29.12.2014
23
0

Ministerpräsident Horst Seehofer verlieh ihm erst Ende November den Maximiliansorden, die Deutsche Forschungsgemeinschaft ehrte ihn 1995 mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis. Prof. Gerhard Hirzinger hat die deutsche Robotik-Forschung an die Weltspitze gebracht.

Als ehemaliger Direktor des Instituts für Robotik und Mechatronik am Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt(DLR) hat der am 17. Januar 1945 in Schwandorf geborene Hirzinger nicht nur Geräte für die Weltraumfahrt entwickelt - was im All genutzt wird, ist heutzutage aus der Industrie, aus Fahrzeugtechnik und auch Medizin nicht mehr weg zu denken. Und auch der Further Drache profitierte von Hirzingers Forschung.

Mit "ROTEX" ins All

Prof. Dr.- Ing. Gerhard Hirzinger machte in Amberg Abitur, studierte an der Technischen Universität München Elektrotechnik und promovierte 1974 auf dem Gebiet der "digitalen Regelung". Zunächst leitete er die Abteilung "Automatisierung" am Institut für Dynamik der Flugsysteme in Oberpfaffenhofen, das zur Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) gehörte. 1992 wurde Direktor des inzwischen umbenannten DLR-Instituts für Robotik und Systemdynamik (heute Mechatronik). Ein herausragender Erfolg war das erfolgreiche "Roboter-Technologie-Experiment" (ROTEX) für die Spacelab-D2-Mission. Erstmals in der Raumfahrtgeschichte wurde ein mit Sensor-Intelligenz ausgestatteter Roboter ins All geschickt und von der Erde aus ferngesteuert.

Danach gelang die Entwicklung von Service-Robotern als "verlängerter Arm des Menschen im All" unter anderem mit dem Demonstrationsexperiment ROKVISS auf der internationalen Raumstation. Mit diesen und anderen Erfolgen wurde Hirzinger zu einem der international bekanntesten Robotik-Forscher und hat alle hochrangigen Auszeichnungen in der Robotik erhalten, die international vergeben werden.

Prof. Gerhard Hirzinger wurde mit seinem Institut auch durch spektakuläre Technologie-Transfers in erdgebundenen Anwendungen bekannt. So ist die DLR-Space-Mouse die weltweit populärste 3D-Mensch-Maschine-Schnittstelle - eine Computermaus für den dreidimensionalen Raum. Eine Reihe von viel beachteten Entwicklungen sind dem Institut gelungen, so ultraleichte Robot-Arme und mehrfingerige künstliche Hände, im Bereich der Medizintechnik ein kabelloses künstliches Herz sowie das Konzept eines zukunftweisenden Chirurgie-Robotik-Systems.

"Erste Adresse"

Auch in der Flugzeug - und Fahrzeug-Technik kann das Institut beeindruckende Ergebnisse vorweisen. "Ich gestehe schon, dass ich ein bisschen stolz bin, dass wir unser Oberpfaffenhofener Institut auch international zur ersten Adresse in der angewandten Roboterforschung machen konnten, gleichzeitig aber auch zahlreiche Arbeitsplätze in der bayerischen Industrie schaffen konnten", sagte Professor Gerhard Hirzinger nach der Verleihung des Maximiliansordens am 26. November in München.

Schließlich bewies Prof. Hirzinger auch seine besondere Verbundenheit mit seiner bayerischen Heimat: Auf seine Initiative spendierte das DLR eine "Laufmustersimulation" als wichtige Grundlage für den Bau des Drachens der Stadt Furth im Wald. Außerdem half der Roboter-Experte, die Visionen König Ludwigs II. mit seinen dreidimensionalen Modellierungen virtuell zu realisieren. Bis hin zu virtuell begehbaren Modellen von nie realisierten Bauwerken wie des Schlosses Falkenstein.

Prof. Hirzinger erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Schon die von ihm angestrebte und realisierte Integration von Maschinenbau, Elektronik und Informations- und Computer-Technik zur Mechatronik als Schlüsseltechnologie unserer künftigen Industriegesellschaft rechtfertigte seine Berufung als Honorarprofessor der Fakultät Informatik der TU München 1991 sowie zum Sprecher des bayerischen Kompetenznetzwerkes Mechatronik, einem wichtigen Projekt der bayerischen High-Tech-Offensive. Hirzinger gehört auch dem Zukunftsrat der bayerischen Wirtschaft an. 1995 erhielt Hirzinger den "Wilhelm-Leibniz-Preis", den höchst dotierten deutschen Förderpreis für wissenschaftliche Leistungen. Dazu erfolgte seine Aufnahme in die beiden hochrangigen deutschen Wissenschaftsakademien Leopoldina und Acatech (Deutsche Akademie der Technikwissenschaften).

Höchste Auszeichnungen

Zu den vielen nationalen und internationalen Auszeichnungen kam am 28. April 2004 die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Eine weitere große Anerkennung fand er durch die Berufung in das Kuratorium des Deutschen Museums in München. Die Verleihung des Maximiliansordens im November 2014 war ein weiterer Höhepunkt. Die Auszeichnung wird nur alle zwei Jahre verliehen; unter den Ausgezeichneten waren in diesem Jahr auch die Nobelpreisträger Christiane Nüsslein-Volhard und Gerhard Ertl.

Als der 1990 gegründete Verein "Partner für den Landkreis Schwandorf" im Mai 2010 erstmals seinen Zukunftspreis vergeben hat, war Prof. Hirzinger Mitglied der Jury und Laudator gewinnen. Er stiftete einen Sonderpreis von 500 Euro für soziales Engagement und einen humanitären Beitrag zur Gesellschaft. Sein Festvortrag behandelten natürlich das Thema: "Die Zukunft der Robotik und Mechatronik".

Der Vater zweier Kinder lebt mit seiner Ehefrau in Seefeld in Oberbayern. Seiner Heimatstadt ist er nach wie vor verbunden - seine Eltern Frieda und Michael Hirzinger lebten bis zu ihrem Tode vor wenigen Jahren in Ettmannsdorf, und seine engsten Verwandten wohnen hier.
Weitere Beiträge zu den Themen: 12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.