"Prostitution bleibt unsichtbar"

Lokales
Schwandorf
23.10.2015
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Soll der Staat Prostitution unter Strafe stellen? In dieser Frage sind sich die "Grünen" uneins. "Wir wollen uns ein Meinungsbild machen", sagt Kreisvorsitzende Elisabeth Bauer. Sie organisierte deshalb am Donnerstag eine Informationsveranstaltung in der Spitalkirche.

Marie Merklinger war in eine finanzielle Notsituation geraten und ging deshalb "anschaffen". Nach drei Jahren gelang ihr der Ausstieg. "Ich habe mich immer wieder beworben, aber nur Absagen bekommen", erinnert sich die Frau.

"Immer jünger"

Bis sie sich am Ende selber nicht mehr erkannt hat und psychisch am Ende war. Das war für sie der Zeitpunkt des Ausstiegs. Heute engagiert sich Marie Merklinger für das "nordische Modell", das die Freier kriminalisiert und damit die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen deutlich eindämmen soll.

In Deutschland geschieht genau das Gegenteil. Das Prostitutionsgesetz aus dem Jahre 2002 sollte "das älteste Gewerbe der Welt" entkriminalisieren und die Branche transparenter machen. Vergebens. "Prostitution bleibt unsichtbar in den Bordellen", sagt Marie Merklinger und weiß: "Wenn da eine Frau verschwindet, das merkt niemand". Die Flüchtlingsströme werden das Problem verschärfen, befürchtet Anna Lüttich. Die Sozialarbeiterin engagiert sich im Verein "KARO e.V." gegen Zwangsprostitution, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung von Kindern. Ziel des Vereins sei es, so die Trauma-Pädagogin, Kindern, Jugendlichen und Frauen, die physisch, psychisch und sexuell Gewalt erfahren haben, Schutz und Hilfe anzubieten.

Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt in den Grenzregionen. Für Anna Lüttich wäre es schon ein Erfolg, wenn das Mindestalter der Frauen auf 21 Jahre hinaufgesetzt würde. "In Wirklichkeit werden die Prostituierten aber immer jünger". Die meisten Frauen, die Marie Merklinger kennt, wollen aussteigen, "die wenigsten aber schaffen es". Sie stehen unter den Fittichen ihrer Zuhälter und spüren den Druck ihrer Familien, die sie unterstützen sollen. Beim Blick auf die Herkunft der Frauen stellt Moderatorin Claudia Salzberger fest: "Die meisten kommen aus armen Ländern".

Ausgefallene Wünsche

Bei den Freiern macht Marie Merklinger die Beobachtung: "Je reicher sie sind, desto ausgefallener die Wünsche". Und: "Die Mädchen bringen die Gewalt nicht zur Anzeige, weil sie Angst haben, abgeschoben zu werden".
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