Prozess mit Seltenheitswert: Schnee-Eule und weitere Greifvögel beschäftigen den Amtsrichter - ...
"Gretls" Ausflüge vor den Augen der Justitia

"Gretl" (rechts) sitzt jetzt mit einem gefiederten Artgenossen in einer Tier-Auffangstation im Landkreis Amberg-Sulzbach. Bild: Huber
Lokales
Schwandorf
26.08.2015
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Es ging um "Gretl", die Schnee-Eule. Auch einer ihrer seltenen Artgenossen und mehrere Falken spielten dominierende Rollen in einem Prozess, der Alleinstellungsmerkmale trug. Denn wann gab es in Schwandorf schon mal eine juristische Auseinandersetzung, bei der dicke Bände und Kompendien des internationalen Artenschutzes auf dem Richtertisch lagen?

Der Mann aus dem Kreis Schwandorf ist nach eigenem Bekunden "begeisterter Hobbyzüchter". In unterdessen nicht mehr vorhandenen Volieren hielt er sich Greifvögel der seltensten Sorten. Zum Beispiel zwei Schnee-Eulen (60 Zentimeter groß, gut eineinhalb Meter Flügelspannweite, lateinisch "Bubo Scandiacus") sowie diverse Falken.

Dem Landratsamt war das bekannt, es erschien auch zur Nachschau und Kontrolle. Denn Artenschutz, das zeigte sich in diesem Verfahren vor Amtsgerichtsdirektor Ewald Ebensperger, ist eine sehr ernst zu nehmende Angelegenheit. Mitunter aber auch ein wenig kompliziert. Selbst für Juristen.

Man blieb zunächst bei den eigentlich nur in Skandinavien und gelegentlich auch in Harry-Potter-Filmen vorkommenden Schnee-Eulen. Zwei dieser Exemplare besaß der 59-Jährige. Einer der Nachtjäger hieß "Gretl" und war offenbar begeistert davon, immer mal wieder Ausflüge zu unternehmen. Bis nach Neunburg vorm Wald brachten sie ihre Schwingen.

Nur zum Teil "illegal"

Doch "Gretl" trug einen Ring. Von daher wurde der brave Vogel, wenn man ihn einfing, auch immer wieder zurück zu seinem Besitzer gefahren. Nicht selten wurde "Gretl" auch bei Faschingszügen als streng dreinschauender Blickfang mitgeführt. Der gefiederten Greif-Dame, elf Jahre alt, gefiel es. Den Leuten auch.

Im Prozess ergab sich: Die beringte "Gretl" hätte der 59-Jährige haben dürfen. Nicht aber einen männlichen "Bubo"-Artgenossen, der seine Tage unberingt in der Voliere fristete. Heute sind die beiden Schnee-Eulen bei einem Fachmann im Raum Amberg untergebracht. "Wenn er sie nimmt, schenke ich sie ihm", versicherte der Angeklagte. Es standen aber auch noch weitere gefiederte Raritäten zur Diskussion. Ger-Laner- und Ger-Sarker-Falken, die man nach Aufzucht gerne zur sogenannten Beiz-Jagd abrichtet. Zum Verkauf solcher Vögel bedarf es einer EU-Bescheinigung. Um sie zu erhalten, schickte der 59-Jährige seine Frau ins Landratsamt. Dort stellte man Ungereimtheiten in den Anträgen fest, ließ eigens auch ein Gutachten zur Bestimmung von Genen anfertigen. Im Amtsdeutsch nannte sich dann das, was man dem Züchter vorwarf, "mittelbare Falschbeurkundung."

Ein langer Prozess stand bevor. Womöglich hätte auch noch ein Experte aus Bonn anreisen müssen. Doch dieser Vogelkundler kann daheim bleiben. Denn Richter Ebensperger und Staatsanwalt Tobias Kinzler führten dem Züchter vor Augen, dass sie durchaus bereit seien, einige der Vorwürfe einzustellen. Damit, so verdeutlichten sie, reduziere sich die ursprünglich im Strafbefehl ausgesprochene 4500-Euro-Buße doch um einiges.

Noch die Hälfte

Zusammen mit seiner Anwältin Claudia Wagner stimmte der Greifvogel-Züchter dem Angebot zu. Wegen der unerlaubten Haltung zumindest einer der streng geschützten Schnee-Eulen und eines Versuchs der mittelbaren Falschbeurkundung muss er 2250 Euro in die Staatskasse legen.

Der Züchter hatte übrigens einen Partner aus dem Raum Regensburg. Als Fahnder kamen und bei ihm zur Hausdurchsuchung ansetzten, stießen sie unter anderem auf 72 000 Euro. Doch ehe die Beamten reagieren konnten, hatte sich der Mann den Packen Bargeld geschnappt und die Scheine angezündet. Sie zerfielen in Asche.
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