Psychose erwünscht

Zweite PSAG-Vorsitzende Sibylle Ries ist leitende Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes in Schwandorf und will ab Januar zwei Genesungsbegleiter anstellen. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
26.09.2014
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Der "Sozialpsychiatrische Dienst" und die Tagesstätte des Diakonischen Werkes in Schwandorf wollen erstmals zwei Genesungsbegleiter anstellen. Sie öffnen damit einen Weg, auf dem selbst Betroffene anderen psychisch Kranken helfen können.

Klaus Nuißl hat sich zum Genesungsbegleiter ausbilden lassen und arbeitet heute im Dienstleistungsunternehmen "Sozialteam" in Regensburg in der Vorschlags- und Beschwerdestelle. Der 35-jährige Diplom-Psychologe leidet selbst an Psychosen und will seinen "Leidensgenossen" helfen, mit der Krankheit besser fertig zu werden. Ganz im Sinne des "EX-IN"-Projekts, das Klaus Nuißl bei der Mitgliederversammlung der "Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft" (PSAG) im Landratsamt vorstellte.

Hilfreiche Erfahrung

Die Initiatoren haben beim Bezirk Oberpfalz Antrag auf Übernahme der Kosten gestellt. Der Sozialhilfeausschuss des Bezirks wird in seiner nächsten Sitzung darüber befinden. "Ich denke, es sieht gut aus", sagte zweite PSAG-Vorsitzende Sibylle Ries bei der Mitgliederversammlung. Sie geht davon aus, im Januar 2015 zwei neue Mitarbeiter einstellen zu können, die selbst Erfahrung haben mit seelischen Erschütterungen, sich momentan aber nicht in einer akuten Krise befinden. Dies seien nämlich die Voraussetzungen für eine Ausbildung zum Genesungsbegleiter, erklärte Klaus Nuißl.

Ein "EX-IN"-Mitarbeiter müsse bereit sein, in der Gruppe über sich und seine Erkrankung zu sprechen und sich auf gruppendynamische Prozesse einzulassen. Die Ausbildung dauert ein Jahr. Bisher wurden die Kurse nur in Nürnberg und München angeboten, im März 2015 soll nun der erste in Regensburg starten. Nach Abschluss des Lehrgangs können die Genesungsbegleiter in Tagesstätten, bei sozialpsychiatrischen Diensten, im betreuten Wohnen oder in Tageskliniken arbeiten.

Thomas Fehr ist "gesund" und begleitet Klaus Nuißl. Er weiß seine Mitarbeit zu schätzen. Ein Betroffener könne sich in die Lage eines psychisch kranken Menschen wesentlich besser hineinversetzen als ein Gesunder, so Fehr. Er könne die richtigen Worte finden, Übereinstimmungen herausfiltern und gemeinsame Erfahrungen austauschen. Die PSAG-Mitgliederversammlung gab dem Antrag des Diakonischen Werkes Schwandorf grünes Licht, zwei Stellen für Genesungsbegleiter zu beantragen, je eine für den "Sozialpsychiatrischen Dienst" und die Tagesstätte.

Sozialwerk lagert aus

Das Sozialwerk Heuser ist Träger des heilpädagogischen Instituts "Die Burg" und hält auf der denkmalgeschützten Burganlage in Burglengenfeld 87 Wohn- und 96 Werkstättenplätze vor und möchte den dortigen Standort entzerren. Das Unternehmen stellte deshalb bei der Mitgliederversammlung den Antrag, 15 Wohn- und 55 Werkstattplätze nach Teublitz verlegen zu dürfen. Das Gleiche gilt für die Außenwohngruppe Pottenstetten mit 14 Plätzen. Den Anträgen stimmte die Vollversammlung zu.
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