Radltour ins Gefängnis

Symbolbild: dpa
Lokales
Schwandorf
12.10.2015
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Start der Radtour war an einer Tankstelle. Dort hatte der Inhaber des Bikes satte zehn Stunden lang gezecht und war dann heimwärts aufgebrochen. Dabei fuhr er auch direkt an der örtlichen Polizeiwache vorbei und wurde - weil amtsbekannt - aufgehalten. Nun steht fest: Der Zieleinlauf ist demnächst im Gefängnis.

Die Frage wird oft diskutiert: Darf ein Radfahrer betrunken in den Sattel steigen, und hat er dann mit Konsequenzen durch die Behörden zu rechnen? Eine Antwort gab es nun bei einem eher unalltäglichen Prozess vor dem Amtsgericht. Sie lautete: Bis 1,6 Promille sind solche durchaus gewagten Eskapaden zwar nicht gerngesehen, doch bleiben sie bei Entdeckung straffrei.

Der, um den es nun ging, ist ein Trinker. 42 Jahre alt und, wie sich vor der Richterin Petra Froschauer herausstellte, schon seit langer Zeit ohne Autoführerschein. Das Dokument hatte man ihm, wie es der Volksmund nennt, bereits "gezwickt", als eine Serie weiterer Alkoholfahrten begann. Gezwungenermaßen war der Mann aufs Fahrrad umgestiegen und ging auch dabei der Polizei ins Netz. Was dann gemessen wurde, lag weit jenseits der 1,6-Promille-Grenze.

Geldstrafen wirkungslos

Zwei bis zweieinhalb Promille waren die Regel. Zu viel, um nachsichtig zu sein. Ergo kamen die kurvigen Touren zu den Akten. Als Geldstrafen nichts halfen, mussten härtere Ahnungen ausgepackt werden. So war es dann unvermeidbar, dass der 42-Jährige heuer im März vom Schwandorfer Amtsgerichtsdirektor Ewald Ebensperger quasi mit der Zieleinlauf-Flagge zwei Monate erhielt. "Mit Bewährung", wie Ebensperger befand.

Womit das Damoklesschwert der endgültigen Disqualifizierung über dem Mann aus einer Stadt im südlichen Landkreis schwebte. Ein paar Wochen später aber ging er erneut an den Start zu einer Biker-Rallye ins Ungewisse.

Zehn Stunden lang betrank er sich an einer Tankstelle am Ortsrand, dann brach der Säufer auf, radelte an der örtlichen Polizeiwache vorbei und wurde nicht lange danach von Ordnungshütern raus gewunken. Ergebnis diesmal: Schon wieder über zwei Promille.

Die "Dopingkontrolle" der Ordnungshüter führte erneut vor Gericht. Dort schüttelte die Vorsitzende besorgt den Kopf und konstatierte: "Ihnen ist wirklich nicht zu helfen!" Sie schickte den unbelehrbaren Zecher für vier Monate hinter Gitter und stellte gleichzeitig in Aussicht, dass es wohl auch einen Widerruf der heuer verhängten Bewährungsstrafe geben werde.

Ein halbes Jahr also ohne Fahrrad, Bier und Schnaps. Der 42-Jährige hatte das Ungemach schon geahnt und sich zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden. "Ich habe bereits meine Wohnung gekündigt", ließ er wissen. Denn die braucht er nicht mehr, wenn demnächst der "Gestellungsbefehl" ins Haus flattert.
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