Reifenwechsel fordert Sorgfalt

Lokales
Schwandorf
03.12.2015
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In 35 Dienstjahren lieferte der Monteur stets tadellose Arbeit ab. Kurz vor dem Ruhestand aber unterlief ihm ein Fehler: Der 64-jährige Weidener setzte falsche Reifenventile an zwei Autorädern ein. Das hatte fatale Folgen und ein Nachspiel.

Der Tatbestand eines fahrlässig begangenen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr wird äußerst selten vor Gerichten verhandelt. Er lag einem Mann zur Last, der im August letzten Jahres als Bediensteter einer Weidener Werkstatt den Auftrag bekam, von zwei Sportfelgen die aufgezogenen Reifen abzunehmen und neue Pneus aufzuziehen. Ein 23-Jähriger aus dem Kreis Neustadt/WN wollte das so haben und die Arbeit wurde von dem Monteur auch erledigt. Ein Fehler, den er dabei machte, brachte ihn nun vor die Schwandorfer Amtsrichterin Petra Froschauer.

Drei Tage nach dem Reifenwechsel war der 23-Jährige zusammen mit zwei Freunden in seinem 260 PS starken Auto auf einer Staatsstraße zwischen Wernberg-Köblitz und Neunaigen (Landkreis Schwandorf) unterwegs. "Bei Tempo 80 bekam das Fahrzeug plötzlich einen vollen Schub nach links", erinnerte sich der junge Mann nun vor der Richterin und erzählte ihr, wie der Pkw in einem Graben landete und dort gestaucht wurde. Der Rahmen verzog sich, es entstand wirtschaftlicher Totalschaden in Höhe von über 10 000 Euro.

Nicht viel passiert

Glück im Unglück hatten die drei Insassen: Beide Beifahrer blieben unversehrt, der Fahrer kam mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus. "Es hätte allerdings weit schlimmer enden können", sagte während der Verhandlung Staatsanwalt Jan Prokoph. Was aber war die Ursache für diesen zunächst recht mysteriös erscheinenden Unfall? Nabburger Polizisten stellten fest: An einem der beiden in der Werkstatt frisch aufgezogenen Reifen war das Gummiventil abgerissen.

Der nun auf der Anklagebank sitzende Monteur gab zu, dass er Gummiventile einbaute. Er ließ aber aus seiner Sicht auch erkennen, dass bereits vorher an den ausgewechselten Reifen Ventile solcher Art vorhanden gewesen seien. Das allerdings wies der Autobesitzer, mit den Gegebenheiten seines Fahrzeugs sehr vertraut, energisch zurück: "Es waren Metallventile, da bin ich mir tausendprozentig sicher." Ihm selbst war der Unterschied nach vollzogener Montage nicht aufgefallen.

Angesichts des Unfalls rief der 23-Jährige beim Hersteller der nagelneuen Reifen, die er zur Montage mit in die Werkstatt gebracht hatte, an und hörte: "Da hätten Ventile aus Metall eingebaut werden müssen." Auch das berichtete er beim Prozess und äußerte ferner: "Ich lege keinen Wert darauf, dass der Monteur bestraft wird. Fehler kann jeder mal machen."

Mit einer Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage, wie sie der Verteidiger vorschlug, mochte sich der Staatsanwalt nicht anfreunden. Also regte der Anwalt an, die Richterin solle eine Verwarnung mit Strafvorbehalt aussprechen. Das aber mochte Petra Froschauer nicht tun.

Strafe nicht zu umgehen

"Nehmen Sie Ihren Einspruch gegen den Strafbefehl zurück", wurde dem Angeklagten empfohlen. Das machte er schließlich. Damit wurde eine Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro rechtskräftig.

Zum Prozess gab es auch ein Sachverständigengutachten, das die Richterin verlas. Der KFZ-Experte vertrat dabei den Standpunkt, dass Gummiventile an den Reifen fehl am Platz waren. Es hätten tatsächlich Metallventile sein müssen. Er stellte allerdings auch fest, dass die benutzten Felgen für den Fahrzeugtyp keine Freigabe hatten. "Dies aber", teilte der Gutachter ebenso mit, "war nicht unfallursächlich."
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