Reise in die eigene Kindheit

Lokales
Schwandorf
19.10.2015
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In den 1970er Jahren gründete der Freistaat flächendeckend Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen und reagierte damit auf die Proteste der 1968er Generation. Die Schwandorfer Einrichtung feierte nun ihr 40-jähriges Bestehen.

Im Landkreis Schwandorf nahm die "Katholische Jugendfürsorge" 1975 den Betrieb auf. Mit einer Bilderausstellung, einer Vortragsreihe und einer Märchenstunde für Kinder und Erwachsene feierte die Einrichtung am Freitag das Jubiläum.

Rucksack voller Sorgen

"Kinder und Kids - Kindheit gestern und heute" hieß die Ausstellung des Regensburger Familientherapeuten und Fotografen Franz Braunmiller, der die Besucher mit auf eine "Reise zurück in die eigene Kindheit" nahm. "Die Spielgeräte haben sich in den letzten 50 Jahren zwar verändert, nicht aber der Bewegungsdrang der Kinder", stellte Franz Braunmiller beim Blick auf seine Aufnahmen fest. Auch die Neugierde und Kreativität seien geblieben.

Diplom-Psychologe Franz Klarner, Leiter der Erziehungsberatungsstelle, weiß aus seiner täglichen Arbeit: "Wenn die Eltern mit ihren Kindern zu uns kommen, bringen sie meistens einen Rucksack voller Sorgen mit". Trennung der Eltern, Mobbing in der Schule, Vernachlässigung oder traumatische Erlebnisse - es gebe viele Gründe für Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern. Aber auch überforderte Eltern, "die bei ihren erzieherischen Kompetenzen an die Grenzen stoßen", suchen Hilfe.

Viele Projekte

Die Beratungsstelle ist mit Büros in Schwandorf, Oberviechtach und Nabburg vertreten. Ihre Mitarbeiter bringen sich in den Arbeitskreis "Sexueller Missbrauch", in die Projektgruppe "Stark durch Erziehung", das Netzwerk "Soziale Arbeit" und in den Arbeitskreis "Jugendhilfe/Kinder- und Jugendpsychiatrie" ein.

In den Vorträgen wandten sich die Berater an Patchwork-Familien mit dem Thema: "Getrennt leben - gemeinsam erziehen". Alternativen zu Verbalattacken zeigte der Workshop "Wege aus der Brüllfalle" auf. "Geschwisterkonflikte" und Umgang mit Ängsten waren weitere Themen. Den Abschluss der Jubiläumsveranstaltungen bildete am Freitag im Haus des Guten Hirten eine Märchenstunde mit Olivier Machander. "Wir wollten bewusst auch etwas für die Kinder machen", betonte Franz Klarner.

400 Fälle pro Jahr

Er ist seit 25 Jahren Mitarbeiter der Katholischen Jugendfürsorge und leitet die mit 4,6 Stellen besetzte Einrichtung. Die Berater haben jährlich rund 400 Fälle zu bearbeiten. Dabei geht es um Probleme in der Familie und der Kindererziehung vor allem nach einer Scheidung, um Mobbing, Drogen und sexuellen Missbrauch. "Wir müssen auf die Veränderungen in der Gesellschaft reagieren", beschreibt Diplom-Psychologe Franz Klarner die ständig neuen Herausforderungen.

Telefon-Hotline

Hilfesuchende bekommen innerhalb von vier Wochen einen Termin. Für dringende Fälle hat die Beratungsstelle eine Telefon-Hotline (09 431 /997 010 ) eingerichtet, die jeden Mittwoch von 11 bis 13 Uhr und jeden Freitag von 8.30 bis 9.30 Uhr besetzt ist. Anrufer erwartet die Diplom-Sozialpädagogin Ilona Gietl-Pielmeier. Seit der Gründung des Arbeitskreises "Sexueller Missbrauch" im Jahre 1993 gehört Diplom-Psychologin und Familientherapeutin Daniela Groß dem Netzwerk an.

Neu ist die Beratung zur Frühförderung von unter Dreijährigen, die Diplom-Sozialpädagogin (FH) Christine Hirmer und Diplom-Psychologin Doris Sporrer übernehmen. Diplom-Sozialpädagoge Roland Woog betreut die Außenstelle in Oberviechtach.
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