Religionen als Eckpfeiler

Der indische Geistliche Thomas Kuriakose Nanjilathu ist seit September 2013 Pfarrer in Fronberg. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
23.02.2015
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80 Prozent der Bewohner Indiens bekennen sich zum 5000 Jahre alten Hinduismus, 14 Prozent zum Islam und nur zwei Prozent zum Christentum. Über das Leben als Christ gab es nun Auskunft von kompetenter Seite.

Pater Thomas Kuriakose Nanjilathu, Pfarradministrator in Fronberg, stammt aus der südlichen Provinz Kerala, in der immerhin 20 Prozent der Bevölkerung Christen sind. "Meine Familie ist schon seit Menschengedenken christlich geprägt", betonte Pater Thomas bei einer Versammlung des KAB-Ortsverbandes Fronberg am Freitag im Pfarrheim.

Der Geistliche kam auf acht Religionen zu sprechen, die in diesem multi-ethnischen Staat Indien mit 1,2 Milliarden Menschen vertreten seien. Der überwiegende Teil bekenne sich zum Hinduismus, einer "toleranten Religion", die viele Lebenswege offen lasse. Während das Christentum und der Islam "keine Kompromisse" eingingen und einem einzigen Anführer folgten, gebe es bei den Hindus "viele Führer und Strömungen". Das Christentum, obwohl deutlich in der Minderheit, bekomme im Land immer mehr Einfluss, beobachtet Pater Thomas. Denn: "Die Christen bringen Bildung in das Land und betreiben viele Privatschulen". Den Kampf gegen das indische Kastenwesen erachtet Pater Thomas allerdings als aussichtslos. Diese Struktur gehöre zum Wesen der Religion. Wer einer bestimmten Gesellschaftsschicht angehöre, könne bei der Wiedergeburt aufsteigen, "wenn er sich gut gefügt hat".

Der Kontrast zwischen sehr reichen und sehr armen Leuten sei deshalb kein sozialer Sprengstoff, so der indische Pfarrer. High-Tech und moderne Luxusgebäude existierten parallel zu einer einfachen Lebensweise in Slums. Die Frauen seien abhängig und ließen sich längst nicht so häufig scheiden wie in Europa. "Zudem gilt eine Scheidung in der Großfamilie als Schande", betonte Pater Thomas. Der "soziale Druck", beisammen zu bleiben, sei in Indien viel größer als in den westlichen Industriestaaten. Alleinerziehende Frauen seien in Indien ausgegrenzt.

Gemeinsame Feste

Zum Problem der Gewalt sagte der Geistliche: "Sie hat es in Indien immer schon gegeben, das Phänomen gelangt aber jetzt erst durch die Medien an die Weltöffentlichkeit". Was ihn beunruhigt, sind der zunehmende Fanatismus und die Radikalisierung im Land, die von einer Minderheit ausgingen, worunter aber eine Mehrheit zu leiden habe. Die Hindus empfindet Pater Thomas im Grunde als friedliebend und tolerant. Er erinnert sich an Feste in seinem Dorf, "bei denen Hindus, Moslems und Christen ohne Berührungsängste miteinander gefeiert haben". Peter Thomas ist seit 1. September 2013 Pfarrer in Fronberg. Der 1965 in Indien geborene Ordensmann ist seit 2002 im Bistum Regensburg tätig
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