Scherben bringen Strafe

Lokales
Schwandorf
10.11.2015
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Es ging zu wie bei einem Polterabend. Nur war der Anlass eher unerfreulich. Plötzlich rastete ein 45-Jähriger in seiner Schwandorfer Wohnung aus, öffnete den Küchenschrank, griff nach Geschirr und zertrümmerte Teller und Tassen auf dem Steinfußboden. Splitter trafen seine Lebensgefährtin.

Als sie die am Tatort angefertigten Fotos betrachtete, kam die Schwandorfer Amtsrichterin Petra Froschauer zu der Ansicht, dass sich da "ein Bild wie nach einem mittleren Bombenangriff" geboten habe. Scherben, Splitter, sinnlos zertrümmertes Porzellan. Eigentlich aus nichtigem Anlass. Der vor ihr sitzende 45-Jährige war mit seiner Lebensgefährtin in Streit geraten, hatte sich schlichtweg ein Ventil für seine Wut verschafft. Nicht von ungefähr, wie ein Blick in sein Vorstrafenregister bestätigte. Der Mann reagiert offenbar explosiv, wenn nicht alles so läuft, wie er es gerne hätte.

Polizei gerufen

Der Vorfall im Schwandorfer Stadtsüden hatte sich an einem Januarabend dieses Jahres ereignet. Die 44 Jahre alte Freundin des Angeklagten forderte danach polizeiliche Hilfe an, gleichzeitig setzte sich auch ein Rettungswagen in Marsch. Dessen Besatzung brachte die Frau mit Verletzungen am Ohr und an den Fingern ins Krankenhaus. Die Blessuren waren durch herumfliegende Splitter entstanden. Vor der Amtsrichterin Petra Froschauer machte das Opfer nun geltend, mit dem Beschuldigten verlobt zu sein. Deshalb musste die Frau nicht aussagen. Die 44-Jährige zog gleich auch noch ihren damals erstatteten Strafantrag zurück. Doch das half ihrem Freund wenig. Denn zuvor hatte er selbst den jähen Gemütsausbruch zugegeben und es für möglich gehalten, "dass sie dabei verletzt wurde."

Offene Bewährung

Neun Vorstrafen brachte der Mann mit. Zu zwei davon waren noch Bewährungen offen. Also noch ein weitere Chance? Staatsanwalt Stefan Schneider verneinte und forderte zwei Monate Haft zum Absitzen. Die fatale Folge davon wäre gewesen, dass ein Widerruf der noch offenen Bewährungsstrafen gedroht und man den Mann für längere Zeit hinter Gitter geschickt hätte. Dagegen stemmte sich Verteidiger Dr. Gunter Haberl. Der Anwalt führte ins Feld, dass die verletzte Frau "kein Interesse an einer Strafverfolgung gezeigt hat." Daraus folgerte Haberl: "Es kann mit einer Geldstrafe abgehen." Richterin Froschauer schloss sich dieser Meinung an. Der 45-Jährige, seit langer Zeit arbeitslos und hoch verschuldet, muss nun 2400 Euro bezahlen.

Knapp vorbeigeschrammt also an der Justizvollzugsanstalt. Dem aggressiven Mann schrieb die Richterin aber ins Stammbuch: "Beim nächsten Mal sind Sie dran." Dabei würdigte Froschauer das Geständnis des Mannes und unterstrich: "Ohne Ihre Schilderungen hätten wir hier Schwierigkeiten gehabt."
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