Schläge, Tritte und kein Täter

Lokales
Schwandorf
28.07.2015
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Er kam mit schweren Verletzungen zur Polizeiwache und nannte den Namen eines jungen Mannes, der ihn angeblich übel zusammenschlug. Doch der mutmaßliche Täter befand sich an seiner Arbeitsstelle zur Nachtschicht und konnte es nicht gewesen sein.

Alles etwas verwirrend für die Richterin Petra Froschauer. Vor ihr marschierten zahlreiche Zeugen auf, die nahezu alle eines gemeinsam hatten: Nichts gesehen, nichts gehört. Einer von ihnen wird jetzt Probleme mit der Staatsanwältin Franziska Bücherl bekommen.

"Ich war an diesem Abend gar nicht in der Disco", argumentierte einer der vor die Justiz zitierten Männer. War er doch, wie später eine Frau vom Security-Sicherheitsdienst eher nebenbei zu Protokoll gab. Der 27-Jährige musste also etwas beobachtet haben und mochte offenbar - so verfestigte sich der Eindruck - in nichts hineinkommen.

Übel zugerichtet

Am 28. November vergangenen Jahres gegen 7 Uhr morgens erschien ein 25-Jähriger auf der Burglengenfelder Polizeiwache. Der Mann war übel zugerichtet: Bruch des Joch- und Nasenbeins, Blutergüsse, Prellungen, Abschürfungen am ganzen Körper. Geschlagen, getreten und wohl auch über den Boden geschleift. Im Raucherbereich einer Discothek im südlichen Landkreis wollte der junge Mann schlimm misshandelt worden sein. Von wem? Das Opfer des gewaltsamen Übergriffs nannte zwei Namen. Zunächst den des mutmaßlichen Täters, dann aber auch die Personalien des eher unbeteiligt gebliebenen Begleiters.

Die Ermittlungs-Maschinerie kam in Gang. Das Ergebnis umfangreicher Nachforschungen führte jetzt zu einer Verhandlung vor dem Amtsgericht, bei dem der schlimm traktierte 25-Jährige als Beschuldigter auf der Anklagebank saß. Im Prozess wiederholte er seine Anschuldigungen gegen den mutmaßlichen Täter und erinnerte sich auch des Begleiters. Beide kamen als Zeugen und ließen erkennen: "Wir waren an diesem Abend nicht in der Disco."

Nicht am tatort

Diese Angaben ließen sich relativ leicht belegen. Der angebliche Schläger war zur Nachtschicht an seiner Arbeitsstelle. Der zweite sah sich zusammen mit Bekannten weit entfernt von der Discothek Bundesliga-Fußballspiele im Fernsehen an und wurde dort, weil angetrunken, von seiner Mutter mit dem Auto abgeholt. Sie konnten folglich nicht am Tatort gewesen sein.

Wer aber war es dann? Vielleicht ein anderer, der ebenfalls als Zeuge auftrat und versicherte, er habe dem 25-Jährigen nichts getan. Seltsam allerdings: Die jungen Leute kannten sich alle über ihre Zugehörigkeit zu einem Burschenverein. Gleichzeitig aber kristallisierte sich auch heraus: Das Opfer der üblen Misshandlungen hatte über zwei Promille Alkohol im Blut. Die Sinne waren deshalb umnebelt.

"Es war eine falsche Verdächtigung", zeigte sich die Staatsanwältin überzeugt und beantragte 3200 Euro Geldstrafe. "Es kann ja auch eine Verwechslung gewesen sein", hielt Verteidiger Alois Biebl dagegen und verlangte Freispruch. Die Richterin war anderer Ansicht. "Er hat ganz eindeutig Namen bei der Polizei angegeben. Das kann man nur tun, wenn ein Sachverhalt zweifelsfrei fest steht", argumentierte sie und verhängte die von der Anklagevertreterin beantragten 3200 Euro Geldstrafe.

Zu Unrecht im Visier

Damit kam es zu dem eher seltenen Umstand, dass ein schwer misshandeltes Opfer auch noch ein zweites Mal Schaden nimmt. Diesmal am Geldbeutel. Denn fest stand für die Justiz: Der angebliche Schläger war zu Unrecht ins Visier der Ermittler geraten. Wer es wirklich die Gewaltorgie startete, lässt sich vermutlich nicht mehr klären.
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