Schnuppertag für jugendliche Migranten
Schneller als die Politik

Berichteten am Mittwoch vom Schnuppertag für jugendliche Flüchtlinge (von links): Werner Nagler, Doris Bauer, Markus Huber, Omid Musavi, Inga Tschirch, Soghra Falla-Jouryabi, Thomas Donhauser, Oliver Mierzwa, Johannes Bauer, Amir Partownejad und Alexandra Geiger. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
01.10.2014
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"1000 und Deine Chance" haben die Wirtschaftsjunioren den Schnuppertag für jugendliche Migranten genannt und sich so bewusst an die bekannte Sammlung morgenländischer Erzählungen angelehnt. Denn das Angebot richtete sich vor allem an Flüchtlinge aus arabischen Krisengebieten.

Amir Partownejad stammt aus Afghanistan, Omid Mussavi und Soghra Fallah-Jouryabi sind aus dem Iran geflohen. Sie gehen in die "Flüchtlingsklasse" an der Berufsschule, lernen dort Deutsch und bereiten sich auf eine Berufsausbildung vor. Zusammen mit sieben weiteren Mitschülern, von denen einige auch aus der JoA-Klasse (Jugendliche ohne Ausbildung) stammten, meldeten sie sich für den bundesweiten Schnuppertag, an dem sich auch die Wirtschaftsjunioren im Landkreis beteiligten. Das Bundesfamilienministerium unterstützte die Aktion im Zuge seiner Initiative "Jugend stärken". Omid hospitierte in der Physiotherapiepraxis von Doris Bauer in Nabburg und bekam einen Eindruck von der Arbeit der Therapeuten. Amir und Soghra waren einen Tag lang bei der Spedition Kiessling in Regenstauf zu Gast und lernten die logistischen Abläufe kennen. Amir interessierte sich vor allem für den Fuhrpark. "Ich möchte auch einmal den Lkw-Führerschein machen", sagte der junge Mann begeistert zu Werkstattleiter Oliver Mierzwa.

Klares Bekenntnis fehlt

"Wie brauchen die Jugendlichen dringend auf dem Arbeitsmarkt", macht Bauunternehmer Thomas Donhauser deutlich. Ob die politischen Entscheidungsträger das so wollen oder nicht. Berufsschullehrer Werner Nagler vermisst allerdings noch "das klare Bekenntnis der Politik zur Integration der Flüchtlinge". Solange das so ist, müsse die Schule die Lücke schließen und den Jugendlichen eine Perspektive geben. "Die Schule leistet einen wichtigen Beitrag bei der interkulturellen Pädagogik", machte Nagler deutlich. In den Köpfen der Menschen mache sich doch immer stärker eine "Willkommenskultur" für die Flüchtlinge breit.

Alexandra Geiger ist Lehrerin für "Deutsch als Fremdsprache" und glaubt: "Wir sind hier auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel". Sie bringt den Jugendlichen nicht nur "Deutsch" bei, sondern macht sie auch mit den kulturellen Gepflogenheiten in ihrer neuen Heimat vertraut. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsjunioren, Markus Huber, dankte den insgesamt sieben Firmen für die Aufnahme der zehn teilnehmenden Schüler und hoffte, "dass einige vielleicht ein Praktikum folgen lassen".

Anstöße geben

Inga Tschirch, Sprecherin der Wirtschaftsjunioren im Landkreis, will den Jugendlichen bei Startschwierigkeiten unter die Arme greifen und sie "reinschnuppern" lassen in die Arbeitswelt. Der Praxistag sollte einen Anstoß geben für ein Praktikum und vielleicht sogar für eine Berufsausbildung in dem jeweiligen Betrieb.
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