Schüsse ohne Wirkung

Lokales
Schwandorf
05.05.2015
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Samstagabend: Auf dem Schwandorfer Bahnhof fallen Schüsse. Sie sollen laut Zoll einen Flüchtenden vor einem Zug warnen. Es geht um Drogen. Zeugen haben Festnahmen gesehen und auch Rauschgift.

Anders als Beobachter stellte am Montag das Hauptzollamt Regensburg in einer Pressemitteilung den Einsatz (wir berichteten) dar. Dem Zoll zufolge wurde im Zug von Prag nach München ein Deutscher von Zöllnern kontrolliert. "Nachdem sich konkrete Hinweise auf den Verdacht der illegalen Einfuhr von Betäubungsmitteln ergeben hatten, sollte die Kontrolle am Bahnhof Schwandorf fortgesetzt werden. Zuvor waren bereits die Personalien festgestellt worden."

Beim planmäßigen Halt des Zuges in Schwandorf habe der Mann versucht, sein Heil in der Flucht zu suchen und sei völlig überraschend auf die Gleise gesprungen - ein lebensgefährliches Unterfangen, wie sich wenig später zeigte. Die Beamten verfolgten den Mann nach Angaben des Hauptzollamtes, forderten ihn durch lautes Rufen zum Stehenbleiben auf. Da auch noch ein Zug in den Bahnhof einfuhr, gaben sie zusätzlich "drei steil in die Luft gerichtete Alarmschüsse" ab, um den Flüchtenden auf die Gefahr aufmerksam zu machen, hieß es gestern. Nachdem sich der Dealer auch davon nicht beeindrucken ließ, sei die Verfolgung abgebrochen worden, um sich nicht selbst zu gefährden.

Bei dem Waffeneinsatz wurden weder Personen gefährdet noch wurden Personen verletzt oder ist ein Sachschaden entstanden, versicherte der Zoll. Christian Schüttenkopf vom Zollfahndungsamt München sagte am Sonntag gegenüber dem NT: "Ich weiß nicht, ob zwei oder drei Personen festgenommen wurden." Das Hauptzollamt Regensburg schrieb am Montag: "Verdächtiger entzieht sich Zollkontrolle durch waghalsige Flucht über Gleisanlagen in Schwandorf." Und weiter: "Die Ermittlungen dauern an, weitere Auskünfte zu dem laufenden Verfahren können nicht erteilt werden."

Darüber hinausgehende Einzelheiten nannte Zoll-Sprecher Michael Lochner auch auf Nachfrage nicht. Nur soviel: "Das war ein Einsatz des Hauptzollamtes Regensburg." Die GER-Nord, die gemeinsame Ermittlungsgruppe von Zoll und Polizei mit Sitz in Nürnberg, sei nicht beteiligt gewesen. Fest steht unseren Informationen nach aber, dass die Polizei in die Aktion eingebunden war. Zeugen bestätigten ihre Beobachtungen vom Samstagabend und blieben dabei: Es habe Festnahmen gegeben, und es seien Drogen, vermutlich Marihuana, sichergestellt worden. Beim Zoll dürfte es ferner auch interne Ermittlungen wegen des Schusswaffengebrauchs geben. Auch dazu sagte Lochner nichts.
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