Sechs Punkte gegen Kostenanstieg

Aufmerksam verfolgen die Kreisräte bei ihrer Klausurtagung die Vorträge der beiden Moderatoren Florian Kaiser (links vor der Leinwand) und Marco Szlapka (rechts daneben). Bild: hfz
Lokales
Schwandorf
01.10.2015
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Der Landkreis will unbedingt die Kostenexplosion in der Jugendhilfe eindämmen. Der Kreistag ging deshalb in Klausur: Bei einer Tagung im "City Hotel" in Roding befasste er sich ausschließlich mit diesem Thema. Heraus kam ein Sechs-Punkte-Plan.

Landrat Thomas Ebeling gab als Ziel der Tagung die Erarbeitung von Ergebnissen zur Optimierung der Jugendhilfe im Landkreis aus. Dieses Thema sei es wert, wesentlich umfassender erörtert zu werden, als dies in einer Kreistagssitzung der Fall sein kann.

Florian Kaiser vom bayerischen Landesjugendamt stellte als einer der beiden Moderatoren klar, dass der Begriff "Jugendhilfe" der Aufgabenstellung nicht ganz gerecht werde. Denn die Kinder- und Jugendhilfe umfasse das Alter von der Geburt bis einschließlich der jungen Volljährigen. Das Jugendamt stülpe den Familien keine Hilfen über, sei aber zentrale Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Familien, es erfülle dabei auch eine Wegweiserfunktion im Behördendschungel. Prävention stehe vor Intervention und Hilfe vor Kontrolle.

Auf Sozialraum achten

Betont wurde, dass der Erfolg der Jugendhilfe nicht allein anhand der Kosten oder etwaiger Einsparungen festgemacht werden kann. Ebenso wichtig wie der reine Blick auf die Kosten sei deshalb die Frage, wie die Gelder effektiv eingesetzt werden können.

Der zweite Moderator, Marco Szlapka vom Institut für Sozialplanung und Organisationsentwicklung, beleuchtete die Situation im Landkreis anhand der Fallzahlenentwicklung in den letzten Jahren. Während sich die Zahl der Heimunterbringungen trotz schwankenden Verlaufs nicht grundsätzlich geändert hat, zeige die Kurve der sozialpädagogischen Familienhilfe kontinuierlich nach oben. Neben den Fällen würden die Kosten aber auch von der durchschnittlichen Laufzeit der Hilfen bestimmt. Bei der Heimerziehung verlängerte sie sich im Durchschnitt von knapp 20 Monaten im Jahr 2012 auf gut 22 in 2014.

Nicht sofort wirksam

Nach einer mehrstündigen Information und Diskussion wurde ein Sechs-Punkte-Plan zur Optimierung der Jugendhilfe im Landkreis ins Auge gefasst. Die Jugendhilfe sollte sich stärker am Sozialraum orientieren und dabei neue Netzwerke schaffen. Dies kann durch wohnortnahe und auch niedrigschwellige Hilfe- und Unterstützungsangebote geschehen. Wegen des bestehenden Fallaufkommens und der größeren Entfernung zum Kreisjugendamt in Schwandorf soll das Hilfe- und Beratungsangebot im östlichen Landkreis etwa durch Sprechtage vor Ort oder Hilfsangebote freier Träger verbessert werden.

Fundierte Info-Basis

Die Falleingangsphase soll durch Schaffung einheitlicher sozialpädagogischer Diagnosen und Festlegung von Qualitätszielen gestärkt werden. Weitere Punkte waren eine Stärkung der Fallsteuerung durch den Sozialen Dienst, die Einarbeitung neuer Fachkräfte etwa in interkommunaler Zusammenarbeit und die Qualifizierung des Finanz- und Fachcontrollings, zum Beispiel durch eine vertiefte Auswertung nach Erfolg der Hilfe, Verweildauer und Kosten.

Mehrere Kreisräte äußerten sich laut Pressemitteilung des Landratsamtes positiv über den Verlauf und die Ergebnisse der Klausurtagung. Die Veranstaltung sei bereits deshalb ein Erfolg, da ein besserer Einblick in die Gesamtzusammenhänge der Jugendhilfe gewonnen werden konnte, auch wenn nicht sofort Einsparpotentiale zu identifizieren sind. Auch Optimierungen werden zunächst Geld kosten und sich allenfalls langfristig rechnen. Jedenfalls fühle man sich künftig als Kreisrat nicht mehr so hilflos, wenn es darum geht, etwaige Kostensteigerungen zur Kenntnis nehmen zu müssen.

Landrat Ebeling kündigte im Schlusswort an, die aufgezeigten sechs Maßnahmen nach und nach aufzubereiten und sie den zuständigen Gremien zur Entscheidung vorzulegen.
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