Seltener Fall von Unfallflucht endet mit einer Verfahrenseinstellung - Beteiligung des ...
Mit dem Fahrrad schnell fort vom Unfallort

Lokales
Schwandorf
29.04.2015
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Er trat forsch in die Pedale und entschwand. Vor dem Schwandorfer Amtsgericht stellte sich nun die Frage: War es wirklich der richtige Unfallverursacher, den man da auf die Anklagebank geholt hatte? Fest stand zum Schluss lediglich, dass es sich um einen Radfahrer handelte, der auf der Naabbrücke in Nabburg für ein Blechschaden-Malheur sorgte. Zu wenig für eine Verurteilung.

Dichter Verkehr auf der Brücke, viele Autos unterwegs. Ein gewohntes Bild in Nabburg. Zwischendrin an jenem Oktobertag letzten Jahres ein Mann mit seinem Fahrrad. Plötzlich gab er unvermittelt Richtungszeichen und bog gleich danach scharf nach links in die Perschener Straße ab. In diesen Augenblicken überholte ihn, weil nicht mehr anders möglich, ein Pkw. Dann schepperte es auch schon: Das Auto krachte auf das Heck eines vorausfahrenden Wagens, dessen Fahrer wegen der Verkehrslage hatte abbremsen müssen.

Die Unfallbeteiligten stiegen aus, der Radler machte sich aus dem Staub. Kurz danach eintreffende Polizeibeamte erfuhren von der Beteiligung des Pedaleurs und begannen zu recherchieren. Sie fragten dabei auch in umliegenden Geschäften nach und kamen so auf die Spur eines 49-Jährigen, der zur fraglichen Zeit in einem der Läden war, um etwas abzuholen.

Die Identität des Mannes wurde bekannt. Folglich fuhren Ordnungshüter zu dessen Nabburger Wohnung. Es handelte sich um ein Mehrfamilienhaus, in dessen unmittelbarem Umfeld acht Bikes standen. Eines davon zeigte der 49-Jährige den Ordnungshütern. Es hatte keinen Gepäckträger.

"Ich war das nicht", unterstrich der angebliche Unfallverursacher jetzt vor der Amtsrichterin Petra Froschauer. Sie erfuhr außerdem: "Mein Rad hat keinen Gepäckträger." Doch den sollte das fragliche Fahrrad laut Zeugenaussagen gehabt haben. Mehr noch: "Da war auch noch ein Korb drauf", wurde der Vorsitzenden geschildert.

Die Unfallflucht des Radfahrers kam zu den Akten. So recht konnte nämlich keiner den seinerzeit im Trubel der Ereignisse entschwundenen Mann beschreiben. Dass der Angeklagte tatsächlich zur fraglichen Zeit in der Nähe war, stand außer Frage. Doch das reichte der Richterin bei weitem nicht aus. Sie stellte das Verfahren um einen angerichteten Sachschaden in Höhe von knapp 3000 Euro mit Zustimmung des Staatsanwalts nach dreistündiger Prozessdauer ein.

Dessen ungeachtet schrieb Petra Froschauer dem Angeklagten ins Stammbuch: "Wenn Sie es wirklich waren, dann hätten Sie erst umschauen und dann ein Richtungszeichen mit der Hand geben müssen." Den Mann kümmerte dieser Rat wenig. Er konterte: "Das war ich nicht."
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