Siebter Schwandorfer Förderschultag
Leidenschaft und Kompetenz

Rektor Michael Zirngibl, Abteilungsleiter Richard Glombitza und Professor Dr. Klaus Zierer (von links) sprachen beim siebten Schwandorfer Förderschultag am "Sonderpädagogischen Förderzentrum". Bild: rid
Lokales
Schwandorf
20.10.2014
1
0

Diese Botschaft lässt keinen Spielraum und sie ist für manchen Pädagogen "schwere Kost". Beim Förderschultag wird darauf verwiesen, dass gutes Lernen maßgeblich vom Engagement des Lehrers abhängt. Die Motivation spielt dabei eine große Rolle.

Der Neuseeländische Bildungsforscher John Hattie hat in einer empirischen Studie 800 Analysen und 50 000 Einzeluntersuchungen mit weltweit 250 Millionen Schülern ausgewertet und daraus den Erfolgsfaktor für erfolgreiches Lernen errechnet. Der Professor an der Universität Melbourne kommt dabei zu dem Ergebnis: "Auf den guten Lehrer kommt es an".

Die Strukturreformen

Beim siebten Schwandorfer Förderschultag am "Sonderpädagogischen Förderzentrum" in Ettmannsdorf, an dem sich am Samstag 150 Lehrkräfte fast aller Schularten beteiligten, befasste sich Professor Dr. Klaus Zierer von der Universität Oldenburg mit den Kernbotschaften des Bildungsforschers. Für die Reformpädagogen, die nach kleineren Klassen, veränderten Rahmenbedingungen und neuen Lernmethoden riefen, seien die Erkenntnisse Hatties schwer verdauliche Kost, so der Referent .

Dr. Klaus Zierer sperrt sich keineswegs gegen Strukturreformen an den Schulen. Nur, sie seien nicht entscheidend für den Lernerfolg. An den deutschen Schulen herrschten ohnehin "strukturell gute Voraussetzung", ist der Lehrstuhlinhaber für Erziehungswissenschaften überzeugt. Er stimmt mit John Hattie überein: "Es kommt letztlich auf die Lehrerpersönlichkeit an".

Ständige Reflexion

Zur fachlichen, pädagogischen und didaktischen Kompetenz müssten "Haltung und Leidenschaft" dazukommen. Wie Hattie predigt auch Dr. Klaus Zierer die Kultur des ständigen Feedbacks. Unterricht dürfe keine Einbahnstraße bleiben, sondern müsse sich zu einer Interaktion zwischen dem Lehrer und den Schülern entwickeln.

Der Lehrer dürfe nicht selbstgefällig aus dem Bauchgefühl heraus seinen Unterricht beurteilen, sondern müsse die Schüler fragen, "ob und wie die Informationen bei ihnen ankommen".

Der Referent appelliert an die Lehrkräfte zur Zusammenarbeit im Team, zur ständigen Reflexion des eigenen Tuns und zum Bemühen, sich täglich neu und mit Leidenschaft zu motivieren. Darauf müsse in der Lehrerbildung wesentlich mehr Wert gelegt werden. Dr. Klaus Zierer wünscht sich auch eine "bessere Beratung" der Lehramtsstudenten, ob sie denn für den Beruf auch geeignet seien. Die Liebe zum Kind müsse dabei im Vordergrund stehen. Beim größten sonderpädagogischen Fortbildungstag in der Oberpfalz konnten die Teilnehmer zwischen 19 Seminaren und Workshops wählen, die sich kompetenzorientiertem Unterricht, mit Suchtprävention, Mobbing, Sprachkompetenz, kooperativem Lernen, Medieneinsatz und technischen Themen befassten. Rektor Michael Zirngibl wertete die hohe Beteiligung als Beweis für die Fortbildungswilligkeit der Lehrkräfte und die Attraktivität des Programms.

Das Kindeswohl

Der Leiter der Schulabteilung an der Regierung der Oberpfalz, Richard Glombitza, ermunterte die Lehrkräfte, stets das Kindeswohl im Auge zu haben.

Die Erkenntnis von John Hattie, auf den Lehrer komme es an, stelle einen hohen Anspruch an die Pädagogen. Unterricht sollte immer unter dem Aspekt erfolgen, die Selbständigkeit der Kinder zu fördern.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9310)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.