Slawische Anfänge der Stadt Thema bei Museumsspaziergang - Rathaus einst auf dem Marktplatz
Die "Zischpn" im Rautenmuster

Gästeführer Simon Steiner (links) begann seine Stadtführung im Museum und führte die Teilnehmer anschließend an geschichtsträchtige Stellen der Stadt. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
27.08.2015
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Gästeführer Simon Steiner nahm die Teilnehmer am Dienstagabend mit auf eine Zeitreise und erinnerte an sagenhafte, aber auch an historisch belegte Ereignisse. Etwa, wie der Stiefel in das Schwandorfer Wappen kam.

Pfalzgraf Ruprecht soll bei einer Hirschjagd im Morast der Naab steckengeblieben sein und seinen Stiefel verloren haben. Als die Einwohner Schwandorfs beim Eintritt in die Stadt über das fehlende Beinkleid schmunzelten, soll ihnen der Fürst den Stiefel im Wappen vermacht haben. Andere Erzählungen schicken den Pfalzgrafen gar auf die Pirsch nach badenden Mädchen in der Naab, wobei er seinen Stiefel verlor, der im Wappen dann wieder auftauchte.

Stiefel neben Löwe

Wenn man allerdings Schwandorfs slawische Vergangenheit zugrunde legt, dann wird auch der Stiefel im Wappen plausibel. Ursprünglich handelte es sich nämlich um einen slawischen Schnürschuh, der heute noch im Volksmund als "Zischpn" bekannt ist. Als Herzog Rudolf das Wappen mit dem Stiefel verlieh, erinnerte er damit an nichts anderes als die slawischen Anfänge der Stadt. Weitere heraldische Zeichen im Wappen sind der pfälzische Löwe und das Rautenmuster der Wittelsbacher.

Gästeführer Simon Steiner erläuterte an ausgewählten Museums stücken die Entwicklung von Plätzen, Straßen und Häusern in der Altstadt. Wer weiß beispielsweise, an welcher Stelle das "Englhaus" zu suchen ist, in dem die erste heimatgeschichtliche Sammlung der Stadt als Ortsmuseum vor über einhundert Jahren eröffnet wurde? Und wo früher die Naabbrücke von Krondorf nach Schwandorf war? Oder wer kann sich an den Standort des Brückenheiligen St. Nepomuk erinnern, der sich heute im Stadtmuseum befindet? Der stand übrigens in einer Nische an der Spitalkirche.

In die "Gute Stube"

Die Stadtbefestigung und Aspekte der Industriegeschichte machte Simon Steiner ebenso zum Thema wie Handwerksgeschichten oder historische Stadtansichten. Die alten Abbildungen, die heute im Stadtmuseum hängen, zeigen die längst verschwundenen Stadttore oder das alte Rathaus, das sich ehemals mit einem Giebeltürmchen als mächtiges Gebäude auf dem Marktplatz erhob.

Nachdem diese markanten Punkte der Stadtgeschichte aufgespürt waren, endete der Stadt-Museums-Spaziergang schließlich am Marktplatz. Die "gute Stube der Stadt" lud die Teilnehmer an diesem schönen Sommerabend noch zum Verweilen ein.
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