Spirale nicht zu stoppen

Dem Jugendhilfeausschuss des Landkreises bleibt nichts anderes übrig, als zuzusehen wie die Kosten weiter ansteigen. Die im Jugendamt anfallenden Pflichtaufgaben müssen erfüllt werden - auch wenn sich die Mittelanforderung im nächsten Jahr erneut erhöht. Um rund 22,6 Prozent nimmt sie zu. Bild: Götz
Lokales
Schwandorf
02.12.2014
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Der planbare Jugendhilfe-Bedarf des Landkreises steigt im nächsten Jahr von 9,3 auf 11,7 Millionen Euro an. Das erfuhr der zuständige Ausschuss von Jugendamtsleiterin Regina Hildwein. Es zeichnet sich keine Perspektive ab, wie die Kostenentwicklung in den Griff zu bekommen wäre.

9,277 Millionen Euro stellte der Landkreis heuer für die Jugendhilfe zur Verfügung. Diese Haushaltsmittel reichen nicht aus. Um rund 641 000 Euro muss der Ansatz überschritten werden, berichtete Jugendamtsleiterin Regina Hildwein dem Jugendhilfeausschuss und stellte gleich klar: "Bei allen Ausgaben handelt es sich um Pflichtaufgaben". Somit erübrigte sich jede Diskussion. Das Gremium empfahl dem Kreistag, die überplanmäßigen Ausgaben in Höhe von rund 820 000 Euro zu genehmigen. Ihnen stehen voraussichtliche Mehreinnahmen von 179 000 Euro gegenüber.

Für 2015 braucht das Jugendamt von vorneherein mehr Geld. Die Mittelanforderung für die Jugendhilfe erhöht sich um 22,6 Prozent und erreicht nun die Rekordhöhe von 11,747 Millionen Euro. Gestiegene Fallzahlen, immer höher werdende Kostenintensität (durch höheren therapeutischen und heilpädagogischen Bedarf in den Gruppen) sowie längere Laufzeiten machte Hildwein verantwortlich für die Entwicklung. Diese Gründe seien Ausdruck von Multi-Problemen in den Familien mit zunehmend brüchigen Konstellationen.

"Das ist jetzt innerhalb von vier Jahren in etwa eine Verdoppelung des Aufwandes", hakte Landrat-Stellvertreter Joachim Hanisch (FWG) nach. Die Gründe für die Kostensteigerungen seien immer die gleichen geblieben. "Was gedenken wir zu unternehmen?", fragte er.

Landrat Thomas Ebeling (CSU) sah keine andere Möglichkeit, als die Prävention weiter zu stärken. Er war sich mit der Jugendamtsleiterin einig: Aber auch daraus resultieren neue Fallzahlen, die ansonsten ein paar Jahre später zur "Reparatur" kommen würden. Beide gaben zu verstehen, dass es eigentlich am Bund läge, die von der Gesetzgebung ausgelösten Kosten voll auszugleichen. Zu denken sei da zum Beispiel an die Jugendsozialarbeit an Schulen oder an die Bearbeitung von gemeldeten Kindeswohlgefährdungen. Der Landrat erkannte in der sich immer weiter drehenden Kostenspirale einen positiven Effekt: "Mehr Fallzahlen besagen auch, dass mehr Kindern und Jugendlichen geholfen werden kann". CSU-Kreisrat Thomas Falter ergänzte: "Es hat sich eine Kultur des Hinsehens entwickelt, und das ist gut so".
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