"Staatsstreich auf Raten"

KAB-Kreisvorsitzender Franz Pointl (links) und ÖDP-Mitglied Jochen Surel (rechts) ziehen gegen das Freihandelsabkommen zu Felde. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
25.04.2015
11
0

Was bewegt den selbständigen Landschaftsgärtner Jochen Surel, so gegen das geplante Freihandelsabkommen zu wettern? "Ich fühle mich der Schöpfung verpflichtet", erklärt der 47-jährige Umweltaktivist. Er will wachrütteln und über die Gefahren des freien Handels aufklären.

Am Dienstag sprach Jochen Surel bei einer Veranstaltung der "Katholischen Arbeitnehmerbewegung" im Vereinsheim der Eichhornschützen. KAB-Kreisvorsitzender Franz Pointl ist ebenfalls TTIP-Gegner und weiß den Diözesanverband hinter sich. "Es darf kein Abkommen zulasten von Beschäftigten, Umwelt und Verbrauchern geben", so die Forderung des Verbandes. Aus Sicht der KAB sei die Investitionsschutzklausel in Verbindung mit dem einseitigen Klagerecht für Konzerne "inakzeptabel und eindeutig abzulehnen". Als Alternative sieht die KAB "den Weg eines fairen Welthandels". Jochen Surel vertritt die gleiche Meinung. Er sucht Verbündete im Kampf gegen "Korruption und Ausbeutung" und setzt sich für den Erhalt der Lebensgrundlagen ein. Das ÖDP-Mitglied fühlt sich nicht als "realitätsferner Weltverbesserer", sondern sieht Demokratie, Mindestlohn, Arbeitnehmerrechte, soziale Errungenschaften und die natürlichen Ressourcen in Gefahr, sollte das Abkommen in der geplanten Form in Kraft treten. Er befürchtet zudem eine Abhängigkeit der deutschen Landwirte von den amerikanischen Saatgutkonzernen.

"Einen Staatsstreich auf Raten" nennt Jochen Surel die Pläne der TTIP-Lobbyisten. Die Rechtsstaatlichkeit in Europa würde ausgehebelt, Regressansprüche der Großkonzerne seien programmiert. So wie der Energieriese Vattenfall jetzt Deutschland nach dem Atomausstieg auf 3,5 Milliarden Euro Schadenersatz verklage. Enttäuscht ist Jochen Surel "von jenen politischen Parteien, die den Umweltschutz zwar im Programm haben, aber nichts gegen das Zustandekommen des Abkommens unternehmen".

Dabei steht für den Umweltschützer außer Zweifel, "dass das von den Konzernen geplante Handelsmodell dem Menschen und der Umwelt zum Verhängnis werden wird". Jochen Surel hat die Vision von einer "demokratisch kontrollierten Handels- und Investitionspolitik". Fernab von Geld und Gier. Er glaubt nämlich an "das Gute im kosmischen System", auch wenn das menschliche Handeln dem oft zu widersprechen scheine.

Jochen Surel redet seinen Mitmenschen ins Gewissen und fordert sie zum Widerstand gegen die Wirtschaftslobbyisten mit den Worten auf: "Wir tragen nicht nur Verantwortung für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun". Heute sammelt er von 10 bis 12 Uhr auf dem Marktplatz wieder Unterschriften gegen TTIP.
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.