"Stechuhr aus Papier" ein Muss

So sieht sie aus: die "Stechuhr aus Papier". Ein simples Stunden-Heftchen, in das Arbeitnehmer, die lediglich den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde verdienen, ihre Arbeitszeiten eintragen. Bild: hfz
Lokales
Schwandorf
18.04.2015
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Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG Oberpfalz appelliert: Beschäftigte im Kreis Schwandorf sollen sich eine "Stechuhr aus Papier" zulegen. Denn die Arbeitgeber haben eine Doku-Pflicht für die 13 070 Mini-Jobber im Landkreis.

Die "Stechuhr aus Papier" ist ein Muss: Wer im Kreis zum gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde arbeitet, soll seine Arbeitszeiten aufschreiben. Diesen Rat gibt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). "Jede Überstunde muss notiert werden.

Nur so gehen Beschäftigte auf Nummer sicher, dass sie den Lohn von 8,50 Euro pro Stunde auch tatsächlich bezahlt bekommen", sagt Rainer Reißfelder. Der Geschäftsführer der NGG Oberpfalz warnt vor "der Versuchung der Arbeitgeber, den gesetzlichen Mindestlohn durch die Hintertür zu umgehen - durch unbezahlte Mehrarbeit, die nicht notiert werde".

Ein simples Stunden-Heftchen, in dem Beschäftigte jeden Tag ihre geleisteten Arbeitszeiten aufschreiben, reiche völlig aus. "Mit so einer 'Stechuhr aus Papier' kann man dem Chef jede Stunde schwarz auf weiß glaubwürdig nachweisen", sagt Reißfelder. Auch die mehr als 13 070 Mini-Jobber im Kreis Schwandorf sollten dies tun. Bei ihnen sei der Arbeitgeber zwar zur Dokumentation der Arbeitszeit verpflichtet. "Eine 'Parallel-Kontrolle' schadet allerdings auch nicht", so die NGG Oberpfalz.

Das Jammern über die Dokumentationspflicht im Arbeitgeberlager sei "zwar ausgesprochen laut, aber völlig grundlos". Im Gastgewerbe sei das Dokumentieren von Arbeitszeiten längst gängige Praxis und auch bereits seit Jahren gesetzlich vorgeschrieben - schon deshalb, um Überstunden oder Nachtzuschläge ordentlich zu bezahlen.

Der NGG-Geschäftsführer fordert die heimischen Bundestagsabgeordneten deshalb auf, jetzt "keine Arbeitgeber-Reparaturen am Mindestlohngesetz vorzunehmen". Ein "Mindestlohn light", der etwa durch eine fehlende Dokumentation der Arbeitszeiten bei Mini-Jobbern nicht kontrolliert werden könne, werde "zum Flopp".

Auf gutem Weg

Sämtliche Pläne, das Mindestlohngesetz aufzuweichen, lehnt die NGG Oberpfalz strikt ab. Der Mindestlohn sei auf einem guten Weg. Es komme nun darauf an, ihn mit seinen positiven Effekten sozial und wirtschaftlich wirken zu lassen. "Das zusätzlich verdiente Geld fließt jetzt nahezu eins zu eins in den Konsum. Es sorgt damit für mehr Kaufkraft im Kreis Schwandorf und dadurch für eine Stärkung der Wirtschaft", so Reißfelder.

Um zu garantieren, dass auch tatsächlich der Mindestlohn gezahlt werde, sei es eben auch notwendig, die Arbeitsstunden festzuhalten. Um eine korrekte Entlohnung zu sichern, müssten die Arbeitszeiten dokumentiert werden. Rainer Reißfelder: "Arbeitgeber, die dazu nicht bereit sind, müssen sich die Frage gefallen lassen, wie sie denn eine korrekte Lohnabrechnung hinbekommen wollen?"
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