Sucht-Arbeitskreis befürchtet, dass die Tabakindustrie eingreift - Raucher-Zahlen rückläufig
E-Zigarette mit einem Zug zum Risiko

Dr. Tobias Rüther ist am Zug. Für ihn ist die E-Zigarette bei der Entwöhnung vom Nikotin durchaus eine Alternative. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
06.05.2015
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"Die großen Tabakkonzerne setzen auf die E-Zigarette", befürchtet Dr. Tobias Rüther. Bei einer Sitzung des Arbeitskreises "Sucht" im Sitzungssaal des Landratsamtes warf der Mediziner einen Blick hinüber nach Amerika, wo die E-Zigarette aggressiv beworben werde. Der Referent zeigte sich überzeugt: "Das schwappt bald zu uns herüber". Im Landkreis spielt der elektrische Einweg-Glimmstängel noch eine untergeordnete Rolle.

Dr. Tobias Rüther arbeitet als Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und in der Spezialambulanz für Tabakabhängigkeit. Der Mediziner weiß um die psychische Abhängigkeit seiner Patienten. Er spricht von einer "klassischen Konditionierung", wenn der Raucher bei einer Tasse Kaffee, an der Bushaltestelle oder nach dem Sex nach einer Zigarette verlange.

Die E-Zigarette könne dem Nikotin-Inhalierer bei der Entwöhnung aber durchaus von Nutzen sein, glaubt Dr. Tobias Rüther. Der Raucher dürfe dem Zwang erliegen, ohne seiner Gesundheit zu schaden und seine Abhängigkeit zu verstärken. "E-Zigaretten sind gut für Menschen, die aufhören oder weniger rauchen wollen", erklärte der Mediziner. Das Risikopotenzial sei wesentlich geringer als bei der Verbrennungszigarette. Bei "Einsteigern" habe der elektrische Glimmstängel dagegen kaum Chancen. Dr. Rüther sieht darin keine Einstiegsdroge. Allerdings: Es gibt noch keine Tierversuche und auch keine Langzeitstudien.

Zusatz kann süchtig machen

Zumindest nicht im derzeitigen Stadium. Der Facharzt weiß aber um das Milliardengeschäft, das sich die Zigarettenindustrie nicht nehmen lassen möchte. Dr. Rüther ist überzeugt: "Die Konzerne werden die E-Zigarette mit Suchtmitteln füllen". Denn die Tabakindustrie werde doch kein Entwöhnungsmittel verkaufen und sich selbst das Wasser abgraben.

Kaum kontrollierbar

Der Klinikarzt ist gegen die Zulassung der E-Zigarette in Gasthäusern und stellt sich die Frage: "Wer soll das am Ende kontrollieren?". Auch Jugendlichen rät der Mediziner "vom Dampfen" ab, weil es zum Griff zur Nikotinzigarette verleite. In der Gesprächsrunde tauchte die Frage auf: "Wohin mit dem ganzen Elektromüll". Wenn erst die Wegwerfzigarette komme, werde sich das Problem verschärfen.

Die Mitglieder des Arbeitskreises, Schulsozialarbeiter, Vertreter des Jugend- und des Gesundheitsamtes, Lehrer, Therapeuten und Mediziner, stellten übereinstimmend fest: "Die Zahl der Raucher im Landkreis ist wesentlich zurückgegangen". Das liege am gesetzlichen Nichtraucherschutz, an den Entwöhnungsprogrammen und an der Einsicht der Menschen.
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