Sudetendeutsche Brückenbauer

Diakon Edwin Berner, Pfarrer Alfredo Malikoski, Heimatverbandsvorsitzender Gerd Hampl und Oberbürgermeister Andreas Feller (von rechts) gestalteten das Totengedenken am "Wastl" in der Fichtlanlage. Bilder: rid
Lokales
Schwandorf
27.09.2015
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Sie haben gemeinsame kulturelle Wurzeln, aber Ende des Zweiten Weltkriegs kam es zur Vertreibung der Sudetendeutschen aus Böhmen. Rund 70 Jahre später soll dies nicht vergessen werden. Die "Zeit der Rachegefühle" ist aber passé.

Die Mitglieder des Heimatverbandes der Falkenauer können und wollen das Unrecht der Vertreibung nicht vergessen, sind aber um eine Aussöhnung mit Tschechien bemüht. "Die Sudetendeutschen sind zu Brückenbauern geworden", versicherte Peter Barton in seiner Festrede beim 29. Bundestreffen am Samstag in der Spitalkirche. Der Leiter des "Sudetendeutschen Büros" in Prag bahnt Kontakte zwischen jenen Sudetendeutschen und Tschechen an, "denen an der Verständigung gelegen ist".

Der gebürtige Tscheche emigrierte 1983 nach Deutschland, um hier zu studieren, und kehrte 2002 als Geschäftsführer des "Sudetendeutschen Büros" nach Prag zurück. Peter Barton sucht auch den Kontakt zur jungen Generation. "Die tschechischen Jugendlichen fragen, wie es zur Vertreibung gekommen ist", stellt der Mitarbeiter der Hanns-Seidel-Stiftung zunehmend fest. Dabei erfahren sie, "dass die Deutschen nicht nur Täter, sondern auch Opfer waren".

Die "Zeit der Rachegefühle" sei vorbei, sagt Peter Barton. Beide Seiten stimmten heute überein: "Das Kriegsende befreite alle Menschen von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft." Der Festredner kündigte im nächsten Jahr eine bayerisch-tschechische Ausstellung in Nürnberg und Prag an. Mit dem Ziel, die gemeinsamen kulturellen Wurzeln bewusst zu machen.

Peter Barton ermunterte die Mitglieder des Heimatverbandes, die Erinnerungen wach zu halten und sie an die Enkel weiter zu geben. Wörtlich sagte der Leiter des Prager Büros: "Die Sudetendeutschen stehen im Prozess der Annäherung zwischen Bayern und Tschechien nicht am Rande, sondern mitten drin".

Das 29. Bundestreffen begann mit der Kranzniederlegung am "Wastl" in der Fichtlanlage. Oberbürgermeister Andreas Feller gedachte der Opfer von Krieg und Vertreibung und sagte: "Diese Tragödie erleben wir momentan wieder." Der Vorsitzende des Heimatverbandes Gerd Hampl betonte: "Die Toten mahnen uns zum Frieden. Ihnen gehört dieser Augenblick."
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