Teichwirte klagen über zu starke Population - BBV und Politiker vor Ort
Biber lässt Fische verkommen

Teichwirt Marco Mulzer (Zweiter von rechts) erläuterte der Expertenrunde aus Politikern sowie Behörden- und Verbandsvertretern die Ausmaße der Biberschäden. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
16.06.2015
34
0
Der Biber frisst zwar keine Fische, dafür aber gräbt er ihnen das Wasser ab. Sehr zum Leidwesen der Teichwirte, die auf dem Schaden sitzen bleiben. Einer der Betroffenen ist Marco Mulzer aus Oberweiherhaus (Stadt Schwandorf). Warum ihm der Nager schlaflose Nächte bereitet, erzählte er gestern bei einer Ortsbesichtigung.

Der Fischzüchter im Nebenerwerb braucht für die Hälterung der Tiere einen konstanten Wasserzulauf, den der Biber aber regelmäßig unterbricht. Marco Mulzer fordert deshalb eine intensivere Bejagung. "Die Biber-Population ist einfach zu groß", meint der Teichwirt. Nach einem langen Arbeitstag müsse er die Spuren beseitigen und die Wasserzuläufe wieder herstellen.

Sind größere Schäden entstanden, meldet sie Marco Mulzer der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt. Biberbeauftragter Georg Lautenschlager hat im vergangenen Jahr 49 Fälle mit einer Schadenshöhe von 36 000 Euro bearbeitet. Tatsächlich erstattet werden aber nur 60 Prozent. Landesweit ermittelten die Behördenvertreter Biberschäden von 710 000 Euro. Den betroffenen Teichwirten zahlte der Freistaat 450 000 Euro aus. Mit 60 000 Euro Entschädigung liegt der Landkreis Tirschenreuth an der Spitze in der Oberpfalz, gefolgt vom Landkreis Schwandorf mit 36 000 Euro.

Nicht bloß regulieren

Eine Aufstockung des Entschädigungsfonds macht für den Landtagsabgeordneten Alexander Flierl wenig Sinn: "Wir müssen das Problem bei der Wurzel packen und versuchen, Schäden vorbeugend zu vermeiden". Damit wäre den Land- und Teichwirten am ehesten geholfen. Auch Landrat Thomas Ebeling spricht sich für "eine Lockerung des Schutzes" aus. Seine Behörde genehmige den Abschuss "überall dort, wo es erforderlich ist". Nicht gerade zur Freude der Naturschützer. Oberbürgermeister Andreas Feller sorgt sich um die Gräbensysteme, "die wir zum Schutz vor Hochwasser brauchen".

Wie eine Enteignung

Der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, Josef Wittmann, spricht von einer "stillen Enteignung" der Landwirte, wenn der Biber ungehindert die Landschaft und deren Nutzung verändere. Der Schwandorfer Stadtrat und Landwirt Hans Sieß (Klardorf) will den Biber "nicht ausrotten", sondern nur die Population einschränken. Wenn immer mehr Tiere Opfer des Straßenverkehrs würden und neuerdings sogar mitten im Dorf auftauchten, so sei dies ein Zeichen dafür, "dass die Tiere überhand nehmen".
Weitere Beiträge zu den Themen: Hochwasser (3437)Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.