Teichwirte üben Kritik - Tipps bei Infoveranstaltung des Fischerzeugerrings - Nachholbedarf in ...
"Kormoran gefährdet die Existenz"

Johannes Bachmann, Alexander Schiener, Hans Klupp und Hans Hausmann (von links) sprachen beim Info-Tag der Oberpfälzer Teichwirte im Tierzuchtzentrum. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
20.02.2015
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"Was dem Münchner die Weißwurst, ist dem Franken der Karpfen". Hans Hausmann weiß, wovon er spricht. Der Teichwirt aus Altendettelsau (Landkreis Ansbach) bewirtschaftet einen Betrieb mit 25 Hektar Fischgewässer, in denen er vor allem Karpfen züchtet. Bei einer Veranstaltung des Fischerzeugerrings Oberpfalz am Donnerstag in der Gaststätte des Tierzuchtzentrums gab er den Züchterkollegen aus dem Landkreis Tipps zur Vermarktung.

Der Familienbetrieb Hausmann verkauft die Fische lebend, frisch geschlachtet, als Filet oder geräuchert in seinem Hofladen und beliefert regelmäßig die Gastronomiebetriebe in der Nähe. "Der Karpfen hat bei uns einen ganz anderen Stellenwert als in der Oberpfalz", so der Teichwirt aus Mittelfranken. Jede Gaststätte veranstalte mindestens einmal im Jahr eine "Fischkerwa" und biete Karpfen, Forelle, Saibling, Hecht und Waller regelmäßig auf der Speisekarte an.

Der Kormoran

Hier bestehe in der Oberpfalz noch ein großer Nachholbedarf. Hans Hausmann ermunterte die Züchterkollegen, nicht nachzulassen in ihrem Bemühen, "das gesunde und schmackhafte Produkt werbewirksamer an Mann und vor allem an die Frau zu bringen". Der Vorsitzende des Fischerzeugerrings Oberpfalz, Hans Klupp (Plößberg), kritisierte die neuen FFH- und Vogelschutzrichtlinien, "die dem Kormoran im Charlottenhofer Weihergebiet weiter Schutz gewähren und die Existenz der Teichwirte gefährden". Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen sei die flächendeckende Teichwirtschaft in Gefahr. Hans Klupp zeichnet ein Szenario mit Fischzucht in Hallen und sieht jetzt schon die Teichwirte dem Vorwurf der Massentierhaltung ausgesetzt. Ausgleichszahlungen für Schäden durch Kormoran, Fischreiher und Biber seien auf Dauer keine Lösung, so der Vorsitzende des Erzeugerrings. Hans Klupp fordert Rahmenbedingungen, "unter denen die Fischzüchter wirtschaftlich arbeiten können". Der Tierarzt Johannes Bachmann vom Fischgesundheitsdienst will den Ursachen des regelmäßigen Karpfensterbens jeweils im Frühjahr nachgehen und ermunterte die Teichwirte aus dem Landkreis, ihn bei seinen Untersuchungen zu unterstützen. Der Mediziner geht von einer bislang nicht erkannten Viruserkrankung aus und will dem Phänomen nun wissenschaftlich auf den Grund gehen.

Hohe Kosten

Ringberater Alexander Schiener erinnerte an "eine durchschnittliche Karpfenernte im Herbst". Der Absatz sei zufriedenstellend gewesen, nicht aber der Preis. Die Schleien seien zu 80 Prozent dem Kormoran zum Opfer gefallen. "In der Forellenteichwirtschaft hatten die Betriebe mit den geringen Mengen an Zulaufwasser zu kämpfen", stellte Alexander Schiener fest. Die hohen Futter- und Stromkosten würden es den Forellenteichwirten sehr schwer machen, sich auf dem Markt zu behaupten.

Biber, Kormoran, Fischotter und Otter machten es den Züchtern schwer, ihre Betriebe wirtschaftlich zu betreiben, so der Ringberater. Besonders gefährdet seien Teiche, die an einem Bach oder einem Waldstück liegen.
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