Traum im Schlosshof

Das Elfen-Gefolge tanzt im Wald unter den Augen von Puck.
Lokales
Schwandorf
18.07.2015
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Die Theaterbühne Schwandorf präsentierte im Schlosshof Fronberg die Komödie "Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare. Ein passenderes Ambiente lässt sich kaum finden.

Alexander Heinz durfte sich freuen: "Ausverkauftes Haus" im Renaissance-Hof von Schloss Fronberg zur Premiere der berühmtesten Komödie der Weltliteratur. Die "Theaterbühne Schwandorf" inszenierte "Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare. Zur Ouvertüre von Felix Mendelssohn-Bartholdy erhoben sich kleine ,flinke Elfchen (Annika Scheibl, Annalena und Johanna Zechmann) hinter Baumstümpfen, sausten umher, fingen sich. Eben: Die Mittsommernacht kündigte sich an, in der gemäß des Volksglaubens zur Zeit des Dichters Spuk und Verzauberung das übliche Fest wie eine Girlande umgaben. Außerdem meinte der Volksglaube, junge Leute könnten in dieser Nacht herausfinden, wer ihr zukünftiger Ehepartner wird.

Wer darf wen lieben?

Der neue Schauplatz ist ein Saal im Palast des Theseus. Manuela Pürzel-Lehner als repräsentativer Herzog von Athen freut sich glaubhaft und mutig auf die Hochzeit mit Hippolyta (Susanne Steinshorn mit verblüffend passender Rolle als Königin der Amazonen). Da tritt Egea (Karin Mager) sorgenvoll auf und beschwert sich darüber, dass ihre Tochter Hermia den Lysander liebt. Dabei soll sie doch Demetrius heiraten. Die Bedenken lassen sich nicht ausräumen.

Wer wen lieben darf und sogar muss, bleibt ein Hauptthema der durch Missverständnisse und Verwechslungen hervorgerufenen Verwicklungen im Palast und auch im Wald während der Nacht. Shakespeares Lösung war traumhaft und zeigt bewundernswerten Einfallsreichtum. Zauber spielt nämlich ein große Rolle, bis klar wird, ob Lysander (Margret Gareis) und Demetrius (Florian Baringer), sowie Hermia (Valentina Eimer) und Helena (Nina Steinshorn) die jeweils richtige Partnerschaft eingehen. Alle Vier verkörperten jedenfalls ihre Rollen äußerst glaubhaft, vor allem auf der verzweifelten Suche nach den "richtigen" Gefühlen, die zeitweilig beunruhigend von Zauberei geleitet werden.

Als ob das noch nicht genug der Verwicklungen wäre: Eine Gruppe von Handwerkern, die während des Hochzeitstages das traurigen Geschick von "Pyramus und Thisbe" aufführen, bildet einen zweiten Handlungsstrang. Der Zimmermann Squenz (Hans Wilhelm) als Leiter, der Schreiner Schnock (Brigitte Hering) als Löwe - endlich mal nicht als König der Tiere sondern als dauernd besoffen beängstigend echt dargestellt. Der Weber Zettel (Erwin Zechmann) spielte einen wirklich liebestollen Pyramus. Bälgenflicker Flaut (Elisabeth Gareis) verkörperte eine wachsame Thisbe. Der Kesselflicker Schnauz (Miriam Claußen) gab den hilfsbereiten Mond. Der Schneider Schlucker (Maria Ziegler) lieferte eine einfallsreiche Wand. Das Publikum lachte schon bei den "Proben" im Wald, bei der fragwürdigen "Aufführung" im Palast steigerte sich das Amusement weiter. Für Shakespeare ist das immer noch nicht genügend Handlung.

Die Strippenzieher

Die eigentlichen Verursacher fast aller Verwicklungen sind nämlich Oberon (Michael Daube) und Titania (Daniela Jankowiak), König und Königin der Elfen, die mit ihrem Diener Puck (Qurin Eimer, dessen Kapriolen besonders beeindruckten) und dem Elfengefolge (Michelle Küsel, Julia Lehner und Annika Scheibl) die Fäden ziehen, während sie selbst ihre Eheprobleme austragen. Virtuos verknüpfte der Dichter die Handlungsstränge und ebenso virtuos gestaltete Regisseurin Kirstin Rokita das abwechslungsreiche Geschehen auf der Bühne. Dazu die Technik von Roland Meiller, der Bühnenbau von Karl Steinhofer, die Ausstattung durch Ingrid Wilhelm und Plakatdesign von Michael Daube: Da konnte nur eine sehenswerte Aufführung herauskommen!
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