Über den Kellern das Inferno

Lokales
Schwandorf
18.04.2015
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Die Nazi-Propaganda trommelte. Bomber über Deutschland? Unmöglich. Gleichzeitig mussten auch die Schwandorfer schon ab Kriegsbeginn verdunkeln, wie Erich Zweck in einem Vortrag am Freitag im Kultur-Felsenkeller erläuterte.

Im Hintergrund zeigen Bilder die Stadt, wie sie vor dem 17. April 1945 ausgesehen hat, und was danach von ihr übrig blieb: Eine Trümmerwüste. Der pensionierte Geschichtslehrer Erich Zweck zeigt auf, wie paradox das Nazi-Regime agierte: Einerseits propagierte Göring als Chef der Luftwaffe die Sicherheit des "Reichs" - andererseits war schon mit Kriegsbeginn im September 1939 jeder zum Luftschutz aufgerufen; Frauen, Männer, altersunabhängig. Verdunklung war Pflicht, Verstöße mit harten Strafen bedroht. Der Nazi-Bürgermeister Oskar Fürst, im festen Irrglauben an den "Endsieg", lachte Bürger aus die forderten, die Felsenkeller als Luftschutzräume auszurüsten.

Als die Bomberverbände schließlich auch den süddeutschen Raum erreichten, musste es dann schnell gehen. Letztendlich haben die Keller wohl tausenden Schwandorfern das Leben gerettet in jener Nacht von 16. auf den 17. April 1945. Aber längst nicht allen. Zweck geht davon aus, dass wesentlich mehr Menschen ihr Leben verloren als die 1250 , die amtliche Quellen nennen.

Gespickt mit Zitaten von Zeitzeugen gelang es Zweck, die Stimmung der Bevölkerung in den Tagen vor dem Angriff einzufangen. Da gab es wohl noch einige "Helden", die an den "Endsieg" glaubten - die meisten aber sahen wohl die Niederlage vor Augen. Auch in der Hoffnung, dass diese Stadt vor einem Angriff verschont bleiben möge. Vergebens. Die Stadt erlebte ein Inferno. Warum Schwandorf? Zweck vertritt die Ansicht, dass die Alliierten der Nazi-Propaganda auf den Leim gegangen waren, die von einer "Alpenfestung" faselte: Hier würden sich Militär und Parteigrößen verschanzen. Die Zerstörung aller Rückzugswege dorthin wäre ein logisches Ziel. Die Demoralisierung der Bevölkerung nennt Zweck aber auch als Grund.

Die rund 30 Gäste machten sich nach dem aufschlussreichen Vortrag Zwecks mit Werner Robold auf den Weg in die Felsenkeller, die im Krieg als Luftschutzräume dienten, unter anderem an der Waldgasse. In dem langen Tunnel, der bei "normalen" Führungen nicht zu sehen ist, sollten Schulkinder Schutz finden. Fluchtschächte verbanden ihn mit Schutzräumen in der Nachbarschaft, die alten Lichtleitungen und Isolatoren sind noch zu sehen. Es bleibt schwer vorstellbar, welche Szenen sich in den vollgepferchten Kellern während des Angriffs abspielten.
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