Ungewohnte Töne im Kultur-Felsenkeller: "Trio Elf" bringt modernen Jazz in die Unterwelt
Punkrock für Verliebte

Lokales
Schwandorf
17.10.2014
0
0
Zum Engagement von "Trio Elf" kann man Felsenkeller-Impressario Werner Robold nur beglückwünschen. Die drei Virtuosen spielten einen derart frischen, modernen und gut aufgelegten Jazz, dass den Zuhörern die Ohren aufgingen.

Auch wenn sich die Herren "Trio Elf" nennen und sie eine ihrer Kompositionen mit der Ziffernfolge "746" betitelt haben, so treibt die Musiker dennoch kein Zahlenfetischismus um, wie Bassist Sven Faller mit einem Lächeln versicherte. "Elf" ist schlicht die Abkürzung der drei Nachnamen Eisenhauer, Lang und Faller. Das erinnert natürlich einen Jazzfan sofort an eine ähnliche Buchstabenkombination, nämlich e.s.t., also das schwedische Esbjörn Svensson Trio, das bis zum Unfalltod von Esbjörn Svensson 2008 existierte und Europas bekannteste Jazzformation war.

Kleine Geschichten

Ganz so populär ist das "Trio Elf" natürlich noch nicht, auch wenn die Musiker weit herumkommen mit ihren Auftritten. Immerhin gibt es die Kombination Eisenhauer, Lang und Faller schon seit elf (!) Jahren, was beim Konzert für einen Gag gut war. Überhaupt durfte man viel schmunzeln und manchmal richtig lachen, denn die Bühnenprofis wechselten sich in ihren Ansagen ab - und die entwickelten sich zwischen jedem Stück zu kleinen, witzigen Geschichten.

Faller, ein großer, schlanker Kontrabassist mit Wohnsitz Schwandorf (der Liebe wegen), zupfte und strich sein riesiges Instrument mit einer Verve, dass schon das Zusehen Spaß machte. Ganz besonders, wenn er hin und wieder darauf herumtrommelte. Dazwischen schaltete er die Verfremdung ein, so dass er mit den elektronischen Effekten einen lyrisch-experimentellen Sound erzeugen konnte.

Feuer und Flamme

Gerwin Eisenhauer, ein gebürtiger Weidner, der in Regensburg lebt und lehrt, saß wie ein leibhaftiger Buddha an seinem Schlagzeug, schlug aber das Arsenal an Trommeln und Becken oft mit einem so wilden Elan, dass die Klänge nur so peitschten. Walter Lang (München) am E-Piano schließlich zeigte beim Spielen ein verklärtes Lächeln und manche Notenfolgen zelebrierte er, als ob eine Reinkarnation des legendären Glenn Gould auf der kleinen Felsenkeller-Bühne sitzen würde. Lang ist auch der Komponist des Trios. Aus seinem Kreativpotential stammen die meisten Stücke, die den Abend über gespielt wurden.

Einmal brachten die drei auch eine Coverversion: "Down" von blink-182, einer US-amerikanischen Punk-Rockband aus San Diego. Die hatte Eisenhauer einst zufällig gehört und war fortan Feuer und Flamme. Das Stück kam zunächst so spielerisch und verträumt daher, dass es wie Punkrock für Verliebte klang. Aber dann entwickelte es sich so gewaltig wie der ganze Abend, der die Zuhörer mit dem Gefühl entließ, einem ganz besonderen Ereignis beigewohnt zu haben.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.