Vater wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor dem Schwurgericht - 17 Zeugen sollen aussagen
Rätsel um den Tod eines Kleinkindes

Lokales
Schwandorf
02.12.2014
1
0
Der Mann auf der Anklagebank weint, als er schildert, wie er zu spät ins Weidener Klinikum kam, um sich von seiner kleinen Tochter zu verabschieden. Sie starb, gerade einmal sechs Wochen alt. Bei der Obduktion stellte sich heraus: Das Baby hatte erhebliche innere Verletzungen und im Innern des Kopfes. "Ich kann es mir nicht erklären", sagt der Vater.

Das im Mai 2013 geborene Mädchen, war, wenn man so will, ein Problemkind. Vier Wochen blieb das Baby zunächst auf der Intensivstation des Weidener Klinikums, dann wurde es in die Obhut seiner im östlichen Kreis Schwandorf wohnenden Eltern gegeben. "Es hat eigentlich nie geschrien", sagte nun zum Prozessauftakt vor dem Amberger Schwurgericht der wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagte Vater.

Die Eheleute, in deren Familie noch zwei weitere Kinder leben, kümmerten sich. Irgendwann im Mai gab es "Auffälligkeiten", wie der 34-jährige in seiner über zweistündigen Vernehmung schilderte. Von Erbrechen war die Rede, von schreckhaftem Auffahren aus dem Schlaf, von leer gebliebenen Windeln. Das war auch am 18. Mai 2013 so. Die Mutter fuhr morgens mit den beiden größeren Kindern zu einem Friseurtermin, der Vater blieb mit dem Säugling daheim.

Nur einmal geschüttelt?

Irgendwann kurz vor der Mittagszeit, so ließ der 34-Jährige verlauten, habe sich die Situation von einer Sekunde auf die andere dramatisch zugespitzt. Das Kleinkind, am Sofa auf einer Spieldecke liegend, sei plötzlich hochgeschreckt. "Ich habe es auf den Arm genommen, dann auf meine Brust gelegt". Plötzlich sei der Kopf des Babys unkontrolliert nach vorne und hinten gefallen. "Es war keine Atmung mehr da", sagte er. Der Familienvater will seine kleine Tochter hochgehoben, dann auch ein einziges Mal geschüttelt haben, um festzustellen, ob noch Leben in dem kleinen Körper gewesen sei. Zu dieser Zeit kehrte seine Frau zurück, erkannte die Lage sofort, wählte den Notruf, kümmerte sich ab dann um den Säugling. Notarzt und Sanitäter trafen ein, ein Hubschrauber kam und flog die Kleine ins Weidener Klinikum. Die Mutter begleitete sie, der Vater kam per Auto nach. Als er eintraf, war das Baby gerade gestorben.

Warum so massiv?

"Mir kam ein Pfarrer entgegen", erzählte der 34-Jährige. Dann versagte ihm die Stimme. Nach einer Pause begann die Schwurgerichtsvorsitzende Roswitha Stöber zu fragen. Ob er das Kind geschüttelt habe? Ja, einmal. "War es ein Unfall? Sind Sie gestolpert? Ist das Baby runtergefallen?" Auf keinen Fall, ließ der Angeklagte erkennen. Doch woher rührten die massiven Verletzungen, die in der Anlageschrift des Leitenden Oberstaatsanwalts Harald Riedl stehen? Der Brustkorb sei zusammengedrückt worden, es habe einen Serienbruch von Rippen gegeben, stellte Riedl als Ergebnis seiner Ermittlungen fest. Mehr noch: Das Baby hatte Einblutungen am Ansatz der Sehnerven, Blutungen unter der Hirnhaut, eine klaffende Sprengung der Schädelnaht. "Durch Einwirkung stumpfer Gewalt", ist er überzeugt. "Wie erklären Sie sich das?", bohrte Riedl nach und sagte "ohne den Gutachtern vorzugreifen" folgenden Satz: "Die Verletzungen entsprechen dem Ansatzmuster eines Falls aus zwei bis drei Metern Höhe." Der 34-Jährige blieb dabei: "Ich weiß es nicht." Er war erst Wochen nach dem Tod seiner Tochter festgenommen und kurzzeitig in U-Haft gebracht worden. Sein Anwalt sagte am ersten Prozesstag: "Keiner der Zeugen traut ihm Gewalttätigkeit zu." Heute beginnt die Beweisaufnahme. Dazu sind zunächst 17 Zeugen geladen. (Seite 3)
Weitere Beiträge zu den Themen: Obduktion (645)Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.