Verbotenes Glückspiel: 41-Jähriger zu Bewährungsstrafe verurteilt
Zocker-Gewinn unterm Tresen

Lokales
Schwandorf
11.09.2015
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Ein Spielhallenbetreiber, der wenig Ahnung von der Materie hat, dazu drei teure Automaten, die aber nur noch zu Unterhaltungszwecken taugen und die Idee, unter dem Ladentisch ein Wettbüro laufen zu lassen: Viel mehr brauchte ein heute 41-Jähriger aus dem Landkreis nicht, um aus einem Spielcafé am Schwandorfer Marktplatz einen Geheimtipp in der Zocker-Szene zu machen. Nur: Eine Angestellte verpfiff den Kaufmann. Vor Strafrichterin Petra Froschauer kam er nochmal mit einer Bewährungsstrafe davon.

Die ständige Vertreterin des Amtsgerichtsdirektors hatte mehrere Verhandlungstage terminiert, um Licht ins Glückspiel-Dunkel zu bringen. Geständnisse des 41-Jährigen und seines Chefs beschleunigten den Prozess am Donnerstag sehr. Der Chef, ein 55-jähriger Arzt aus dem Landkreis Neustadt/Waldnaab, war wohl etwas blauäugig an den Betrieb der Spielhalle herangegangen, wie sein Verteidiger Yusuf Kartal darstellte. Von verbotenem Glückspiel wollte er nichts gewusst haben. Weil letztlich der 41-jährige Mitarbeiter die Schuld auf sich nahm, wurde das Verfahren gegen den Arzt eingestellt - gegen eine Auflage von 6000 Euro.

Die drei Unterhaltungsautomaten wären reinen Groschengräber gewesen, die richtigen Kombinationen an den rotierenden Walzen durften außer Punkten keinen Gewinn bringen. Die Geräte hatten nämlich keine Zulassung mehr und die Konzession des Cafés war mit den aufgestellten, legalen Automaten ausgereizt. Als reine "Sparbüchsen" hätten die Geräte wohl auch kaum Umsatz gebracht. Es dauerte auch nicht lange, bis den "Stammkunden" angeboten wurde, ihnen Gewinne auszuzahlen. Die Mitarbeiter wurden instruiert, und das Geld floss: Ein Gutachter stellte fest, dass zwischen Januar und Mitte Dezember 2013 die drei Automaten mit mindestens 130 000 Euro Einsatz gefüttert worden waren. Gut 100 000 Euro wurden den Spielern als Gewinn aus einer Kasse hinter dem Thresen ausbezahlt. Blieben knapp 30 000 Euro Gewinn.

Wie beim Buchmacher

Zweiter Anklagepunkt: Das Wettbüro im Spielcafe. Dafür brauchte es nicht mehr als einen Laptop samt Internet-Standleitung zu einem Wettanbieter. Wer spielen wollte, meldete sich bei den Mitarbeitern, die nahmen das Geld ein und schalteten das Wettkonto frei. Über die Finanzen wurde Buch geführt, die Listen sicher verwahrt. Wie beim legalen Buchmacher, nur eben ohne Lizenz.

Das alles hätte wohl länger geklappt, hätte der 41-Jährige nicht einer Mitarbeiterin vorgeworfen, Geld unterschlagen zu haben. Die wandte sich an einen Privatdetektiv, der an die Polizei. Bei Durchsuchungen im Café, der Arztpraxis und weiteren Objekten tauchte Material auf, das für die Ermittler mit vielen Zeugenaussagen ein Bild ergab.

4000 Euro beschlagnahmt

Staatsanwalt Daniel Gold sah nach dem Geständnis und den Aussagen zweier Mitarbeiterinnen und des ermittelnden Kriminalbeamten den Vorwurf des unerlaubten, gewerblichen Glückspiels als erwiesen an. Er forderte eine Haftstrafe von 16 Monaten für den 41-Jährigen, ohne Bewährung: Zu viele Vorstrafen. Zuletzt hatte sich der 41-Jährige wegen eines Ladendiebstahls (Beutewert: knapp 12 Euro) eine Bewährungsstrafe eingefangen.

Seine Verteidiger Sewarion Kirkidadse und Engelbert Schedl legten sich in ihren Plädoyers schwer ins Zeug, um den Gang ihres Mandanten in die Zelle zu verhindern. Letztlich waren es vor allem das Geständnis und die Tatsache, dass der Angeklagte auch auf beschlagnahmte knapp 4000 Euro und Automaten von hohem Wert verzichtet hatte, die das Gericht zur Milde bewogen. Richterin Petra Froschauer verurteilte den 41-Jährigen zu einem Jahr Haft, ausgesetzt auf fünf Jahre zur Bewährung. Außerdem muss er 4000 Euro in Raten an die Staatskasse bezahlen.
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