"Vergiss mein nicht": Anrührende Geschichte von David Sieveking - Vorstellung bei Rupprecht
Filmemacher als Buchautor

Der in Berlin lebende Dokumentarfilmer David Sieveking stellte sein Erstlingswerk "Vergiss mein nicht" vor. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
27.11.2014
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David Sieveking zieht wieder zu Hause ein und übernimmt für einige Wochen die Pflege seiner demenzkranken Mutter Gretel, um seinen Vater Malte zu entlasten, der sich seit seiner Pension um seine Frau kümmert. Während Malte in der Schweiz neue Kraft tankt, versucht sich David als Pfleger seiner Mutter. Mit dem Einverständnis der Familie dokumentiert er seine Zeit mit Gretel. David ist plötzlich Sohn, Betreuer und Dokumentarfilmer in einer Person.

Seine Gegenwart und die Anwesenheit des Filmteams wirken erfrischend auf die Mutter, die endlich wieder Eigeninitiative entwickelt und neue Lebensfreude zeigt. Trotz ihrer zeitlich wie örtlichen Orientierungslosigkeit bleibt Gretel heiter und gelassen. Sie hält sich für eine junge Frau und David für ihren Mann Malte. So berichtet der renommierte Filmemacher David Sieveking in seinem Buch "Vergiss mein nicht", das er in der Buchhandlung Rupprecht vorstellte.

David gelingt es, mit seiner verwirrten Mutter wunderbar lichte Momente zu erleben. Sie verliert ihr Gedächtnis, ihren Sinn fürs Sprechen, aber sie gewinnt etwas anderes: eine entwaffnende Ehrlichkeit und Unschuld, gepaart mit überraschendem Wortwitz und weiser Poesie.

Ein Ausflug zu Gretels Schwester wird zur emotionalen Reise in die Familiengeschichte. Nach und nach lernt David das Leben seiner Mutter besser kennen und entdeckt ihre rebellisch-politische Vergangenheit. Wie ein Puzzle setzt er das beeindruckende Leben einer Frau zusammen, die Sprachwissenschaftlerin, Frauenrechtlerin, Revolutionärin, Lehrerin, Ehefrau und Mutter war. Als David zusammen mit Gretel in die Schweiz fährt, um Malte aus seinen Ferien abzuholen, recherchiert er auch dort weiter. Er erfährt, dass Gretel, während seine Eltern in den 1970er Jahren hier lebten, vom Schweizer Staatsschutz überwacht worden war, weil sie sich in einer marxistischen Gruppierung engagiert hatte.

David begegnet alten Genossen und Weggefährten, erfährt ungeahnte Geschichten aus dem Liebesleben seiner Eltern, von den Krisen ihrer "offenen Ehe". Nun, am Ende ihrer mehr als 40-jährigen Beziehung, die sich durch liebevolle Distanz und gegenseitigen Respekt der Freiheit des anderen auszeichnete, kommen sich Gretel und Malte so nah wie noch nie. Ohne den Ballast ihrer Erinnerungen, Vorstellungen und Konzepte bringt Gretel eine neue Intimität und Zärtlichkeit in ihre Beziehung, die Malte zu schätzen lernt. Zu seinem Hochzeitstag fährt das Paar nach Hamburg, wo ihre Liebe begann. Es wird ihre letzte gemeinsame Reise.
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