Versorgung der Patienten noch gesichert - Stellen sind immer schwerer und nicht sofort zu ...
Ärzte suchen ihr Heil im Ausland

Lokales
Schwandorf
29.08.2009
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Die gute Nachricht vorneweg: Noch werden die Patienten in den Krankenhäusern im Landkreis sehr gut versorgt, müssen keine Abstriche gemacht werden. Dies auch, weil das vorhandene Personal engagiert ist, Überstunden macht und frei werdende Arztstellen besetzt werden können. Die schlechte Nachricht: Der Ärztemangel kann in einigen Jahren, wenn sich nichts ändert, zu drastischen Einschränkungen bis hin zu Stationsschließungen führen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) legte kürzlich alarmierende Zahlen vor. In deutschen Krankenhäusern würden aktuell 4000 Ärzte fehlen. Der Anteil der Krankenhäuser, die Arztstellen nicht besetzen konnten, sei von 28 Prozent im Jahr 2006 auf 67 Prozent im Jahr 2008 gestiegen.

So schlimm sieht es im Landkreis nicht aus. Doch der stellvertretende Geschäftsführer des Sankt Barbara Krankenhauses in Schwandorf, Michael Enzmann, sagt: "Natürlich spüren wir den Ärztemangel. Die Bewerberlage ist sehr dünn. Sehen Sie sich mal das Ärzteblatt an, das besteht fast nur noch aus Stellenanzeigen."

Beratungsfirmen und Headhunter machten im Auftrag von Kliniken Jagd auf Mediziner, angefangen von Assistenz- über Ober- bis hin zu Chefärzten. In der Chirurgie sieht es Enzmann zufolge gemessen an der Inneren Medizin noch vergleichsweise gut aus. Der Handlungsspielraum der Krankenhäuser, Ärzte zu locken, sei gering. „Wir müssen das Geld erst erwirtschaften“, ergänzt er.

Der Geschäftsführer der drei Kreiskrankenhäuser, Holger Stiller, Facharzt für Chirurgie und seit sieben Jahren im Management tätig, gibt Enzmann Recht. Über Stellenausschreibungen, Bewerbungen zu erhalten, sei erfolglos. Immer schwieriger werde es, Assistenzärzte zu finden. Stellen seien längere Zeit unbesetzt. Die Versorgung sei aufrecht zu erhalten, aber mit Unterbesetzung, was Überstunden für das bestehende Personal bedeute.

Der Geschäftsführer der Asklepios Klinik Lindenlohe Matthias Meier, sieht sich als Leiter einer Fachklinik noch in einer glücklichen Lage. „Bei uns im Haus ist davon, Gott sei Dank, noch nichts zu spüren, aber allgemein kann ich das nur bestätigen.“ Im Fachkrankenhaus für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin seien die Bereiche überschaubar, vieles könne und werde anders geregelt als in großen Hospitälern mit zahlreichen Fachbereichen.

Situation sehr angespannt

Die drei Krankhausverantwortlichen bringen Verständnis für die Ärzte auf. „Ein Drittel macht was anderes, Forschung, Krankenkassen und so weiter, ein Drittel geht ins Ausland und ein Drittel bleibt“, meint Stiller. Vor allem die skandinavischen Länder werben derzeit gut ausgebildete deutsche Ärzte ab. Sie würden sich mit einer 38,5 Stundenwoche, garantiert ohne Überstunden, Kindermitbetreuung, kostenlosen Sprachkursen und anderem attraktiv machen. Die Bezahlung allein sei es nicht, sind sich Meier, Enzmann und Stiller einig.

Der Beruf an sich sei in Deutschland unattraktiv. Dabei bezahle der Steuerzahler die teure Ausbildung. „Auch Krankenhausärzte wollen ihre Familien bei Tageslicht sehen“, umreißt Enzmann zynisch die Situation. Für Frauen sei der Einstieg in einem Krankenhaus schwierig. Es gebe praktisch keine Kinderbetreuungsmöglichkeiten, fügt Stiller an. Alle drei bezeichnen die Situation als sehr angespannt.

Für Stiller ist das politisch so gewollt, in diese Richtung gesteuert. Berater von Politikern hätten vor, bundesweit 500 Krankenhäuser zu schließen, und dann würden auch die Ärzte wieder reichen.
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