Volker Liedtke erfüllt sich langgehegten Wunsch - Freiräume für Neues, zum Beispiel Heimwerken ...
Auf der roten Vespa entschleunigt durch den Landkreis

Nach unzähligen Dienstfahrten im bestens ausgestatteten BMW ist Altlandrat Volker Liedtke jetzt auf ein rotes Zweirad umgestiegen. Bild: hfz
Lokales
Schwandorf
26.12.2014
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Altlandrat Volker Liedtke geht es hervorragend. Das sagt er nicht nur der Höflichkeit halber, damit kokettiert er nicht. Er meint es ehrlich und wer mit ihm spricht, merkt schnell: Das ist so. Sein Amt hat ihm natürlich gefallen, und des Landratspostens war er nicht überdrüssig, aber eben alles zu seiner Zeit. "Ich genieße jeden Tag", ist eine weitere Floskel, bei Liedtke eben nicht, denn der Abschied aus dem Landratsamt "schafft auch Freiräume, sich in anderen Betätigungsfeldern auszutoben".

"Ich bin viel außer Haus." Das ist er nicht nur der drei Ämter wegen, die er noch inne hat - Bezirksrat, Kreisvorsitzender des BRK und Vorsitzender des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege - sondern auch wegen seiner Aktivitäten zu Fuß, mit dem Rad - und seit seiner Pensionierung mit einer roten Vespa.

Damit erfüllte sich der 64-Jährige einen langgehegten Wunsch, gesteht er. Mit seinem Zweirad hat er schon so manche Winkel des Landkreises erfahren. "Es ist ein Genuss, wenn man so mit 60 oder 80 dahintuckert und nicht schnell von einem Termin zum anderen durch den Landkreis hetzt." Heuer war er noch allein mit dem Kult-Fahrzeug unterwegs, nächstes Jahr begleitet ihn vielleicht seine Frau Brigitte als Sozia. "Sie hat mir versprochen, dass sie es zumindest ausprobiert, in der nächsten Saison", lacht er.

Gereist sind die Liedtkes schon immer gerne, obwohl sie durchaus häufig durchs Oberpfälzer Seenland spazieren. Jetzt aber haben sie Zeit für Campingurlaube in Europa, größere Touren nach Neuseeland, Kanada und Australien, und "meine Frau möchte in die Südsee", nennt er ein weiteres Ziel. Ein Venedigaufenthalt inspirierte ihn, einen 1000 Seiten dicken historischen Roman aus der Renaissance-Zeit zu lesen - auf dem I-Pad, das ihm die Landratsamt-Mitarbeiter zum Abschied geschenkt haben.

Lesen neu entdeckt

Die Bücherregale in seinem Haus sind nämlich voll und ein neues Buch wird nur angeschafft, wenn dafür ein altes weggegeben wird. Als ehemaliger Deutschlehrer las er von Berufs wegen zunächst viel, dann 18 Jahre als Landrat zumindest keine Literatur zur Entspannung, Nun entdeckt er das Lesen wieder für sich.

Doch mit seiner Pensionierung hat sich noch ein völlig neues Betätigungsfeld aufgetan, das nicht auf seiner Wunschliste stand, wozu ihn seine Frau mehr oder weniger sanft drängte: das Heimwerken. Das erfüllt ihn richtiggehend mit Stolz. "Meine Frau hat immer Ideen, wo ein Regal fehlt, was ausgebessert, welche Wand gestrichen werden sollte." Als Landrat redete er sich heraus: "Heimwerken ist nicht meine Sache." Und jetzt? "Angeleitet durch freundliche Nachbarn" macht ihm das Sägen und Bohren sogar Spaß, "das Arbeiten mit den Händen, statt mit dem Kopf". Er trat den Beweis an, er hat nicht nur zwei linke Hände, obwohl "ich schon Bammel davor gehabt habe".

Ohne Armbanduhr

Was ihn als Ex-Landrat durchaus diebisch freut, sind so kleine Freiheiten, wie etwa, "dass es kein Problem ist, wenn ich die Armbanduhr vergesse". Oder: "Sie wissen gar nicht, wie lästig es ist, immer eine Krawatte zu tragen. Das war mir vorher gar nicht bewusst." Inzwischen trägt er sie nur bei offiziellen Terminen, die nicht einmal zehn Prozent seines vorherigen Pensums ausmachen. Und die Bratwurstsemmel schmeckt wieder. Liedtke spielt damit auf die vielen Verpflichtungen, vor allem im Sommer, an. "Die Bratwurstsemmel schmeckt einige Male, aber nicht vielleicht 28 Mal. Da ist es doch schön, wenn man es auf drei oder vier beschränken kann."

Die Kreispolitik beobachtet er aus einer anderen Warte. "Ich nehme die Vorgänge als Nachricht zur Kenntnis, weil ich nicht mehr selbst betroffen bin. Was mich freut ist, dass keine radikale Umorientierung stattgefunden hat und die Kontinuität überwiegt." Die Grundlinie wurde beibehalten. Daraus zieht er den Schluss: "Dass unter meiner Führung nicht all zu viel falsch gemacht wurde." Rückwärtsgewandt ist er nicht. Er trauert auch nicht alten Zeiten nach und was die Zukunft betrifft, zitiert er gerne seinen Vorgänger Altlandrat Hans Schuierer: "Wenn's die nächsten 30 Jahr' so weitergeht, san ma sehr zufrieden."
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