Wandel zwingt zu neuen Ideen

Zahlreiche Bürgermeister, Kommunalpolitiker und Behördenvertreter waren der Einladung des Lokalen Bündnisses für Familien in das Foyer der Sparkasse gefolgt, um sich zum Thema "Familienfreundlichkeit und demografischer Wandel" informieren zu lassen. Prof. Lothar Koppers (vorne, Vierter von rechts) und Sozialministerin Emilia Müller (am Pult) waren die Hauptredner. Bilder: Götz (2)
Lokales
Schwandorf
16.03.2015
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Wer hätte gedacht, dass ein Vortrag mit Zahlen und Statistiken unterhaltsam, ja humorvoll aufbereitet sein könnte? Dem Sozialwissenschaftler Prof. Lothar Koppers gelang dieses Kunststück, als er den anwesenden Bürgermeistern empfahl, sich mehr um die jungen Frauen zu kümmern.

Die Veranstaltung "Familienfreundlichkeit und demografischer Wandel" des Lokalen Bündnisses für Familien im Landkreis Schwandorf war hochkarätig besetzt. Landrat Thomas Ebeling und der Chef der Schwandorfer Arbeitsagentur, Joachim Ossmann, führten als Träger des Bündnisses im Foyer der Sparkasse in das Thema ein, das danach von der bayerischen Sozialministerin Emilia Müller und dem Demografie-Forscher Dr. Lothar Koppers breiter aufgefächert wurde.

Der Anstieg der Zahl der Über-65-Jährigen und der Wandel in der Arbeitswelt - Stichwort Digitalisierung - stellen in den nächsten Jahren auch in Bayern Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen. Für Ministerin Müller stellen sich dabei zwei Kernfragen: "Wie kann künftig eine gute Infrastruktur, auch im ländlichen Bereich, erhalten werden? Und wie verhindert man eine Abwanderung der jüngeren Generation?"

Müller lobte, im Landkreis Schwandorf habe man sich schon früh mit diesen Fragen auseinandergesetzt und Lösungsansätze gefunden. Sie wies hier besonders auf die Arbeit des Lokalen Bündnisses für Familien hin, das vonseiten des Landratsamtes von Helga Forster, vonseiten der Arbeitsagentur von Dorothea Seitz-Dobler betreut wird: "Sie haben bereits viel bewirkt."

Fachmann auf dem Gebiet des demografischen Wandels ist Prof. Lothar Koppers (47), der sich seit Jahren mit diesem Thema beschäftigt. Der Hochschullehrer leitet das Institut für angewandte Geoinformatik und Raumanalysen in Waldsassen. Seine Spezialität ist die Verbindung zwischen Bevölkerungswanderung, dem Immobilienmarkt und den Arbeitsplätzen in der Region.

Viel weniger Menschen

Der Forscher zeigte auf, dass die Bevölkerungszahl im Landkreis Schwandorf in den nächsten 15 Jahren von 142 000 auf 133 000 zurückgehen werde - mit allen Problemen für die Infrastruktur und die Versorgung der Älteren, die das mit sich bringen werde. Auslöser seien vor allem die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre ("Baby-Bommer"), die dann im Rentenalter seien.

Nachdem Koppers herausgearbeitet hatte, dass es für gut ausgebildete, junge Frauen gerade auf dem Land kaum Berufschancen gibt, appellierte er an die kommunalen Mandatsträger und alle Verantwortlichen, sich vermehrt Gedanken zu machen, wie sie für die jungen Menschen da sein könnten, gerade für die Frauen.

Frauen gehen weg

"Wenn sich junge Frauen vor Ort nicht angenommen fühlen, dann gehen sie einfach weg." Deren Ziel sind die größeren Städte mit ihrem breiter gefächerten Lebens- und Berufsumfeldern. "Und die Frauen bestimmen auch, wo die Familie wohnt", schrieb der Wissenschaftler jenen Bürgermeistern ins Stammbuch, die über ein Ausbluten der Dörfer und Gemeinden klagen.

Abgerundet wurde der Abend durch eine Bilanz von Helga Forster über die Arbeit des Lokalen Bündnisses für Familien im Jahr 2014 und einem Diskussionsteil. Hier meldete sich unter anderem der Altendorfer Bürgermeister Georg Köppl zu Wort, ein führender Kopf der "Leerstandsoffensive". In ihr sind zwölf Gemeinden organisiert.
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