Wegen Halsband hinter Gitter

Lokales
Schwandorf
17.04.2015
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Die Frage lautete: Kann jemand wegen eines betrügerisch erworbenen Hundehalsbandes eingesperrt werden? Die Antwort gab das Amtsgericht: Jawohl, das geht. Und zwar dann, wenn der Angeklagte ein offenbar unbelehrbarer Gewohnheitstäter ist.

Der Fall schien eher unbedeutend zu sein. Der Mann aus Thüringen, seit einiger Zeit in Schwandorf wohnend, war von der Justiz geholt worden, weil er im Internet ein Hundehalsband zum Preis von 95 Euro gekauft hatte. Das Band kam dann auch aus dem fränkischen Mellrichstadt, doch bezahlt wurde es mangels Masse nicht. Dafür aber vom Käufer verschenkt. Er brauchte nämlich ein Präsent und löste damit Freude aus.

Eine Routineangelegenheit für die Amtsrichterin Petra Froschauer und Staatsanwalt Tobias Kinzler. Bis sie in die Akten blickten und registrierten: Der 38-Jährige ist ein notorischer Betrüger. Er zahlte in der Vergangenheit mit EC-Karten, obwohl er keinen blanken Heller besaß, prellte Leute in 52 Fällen, saß längere Zeit im Gefängnis. Zu seiner Verhandlung brachte er zwei offene Bewährungsstrafen mit. Außerdem hatte ihm ein Thüringer Gericht die Weisung erteilt, keinerlei Geschäfte mehr über das Internet abwickeln zu dürfen. Und warum hatte er nun das Hundehalsband nicht bezahlt? "Schlichtweg vergessen", hörte die Richterin und erfuhr außerdem, dass ihm damals das Passwort für seinen PC nicht mehr einfiel und er deshalb die Mahnungen der Lieferfirma nicht gelesen habe.

"Lug und Trug ist Ihr Metier", schrieb Staatsanwalt Kinzler dem Mann ins Stammbuch und bezeichnete ihn als "unbelehrbaren Betrüger". Deshalb, so Kinzler, gebe es auch keine Chance auf eine Geldstrafe, müsse der 38-Jährige fünf Monate eingesperrt werden.

Die Richterin verhängte vier Monate und sorgte so dafür, dass der Arbeiter quasi am Halsband hinter Gitter geführt wird. Dabei hat er auch zu befürchten, dass die beiden noch offenen Bewährungsstrafen widerrufen werden. Das dürfte dann für einen längeren Zwangsaufenthalt sorgen.
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