Wenn Schmerzen im Brustraum nicht vom Herzen ausgehen - Interdisziplinäre Kooperation- ...
Sodbrennen, Reizmagen und die Speiseröhre

Chefarzt Dr. Christoph Balzer (von rechts) referierte zusammen mit Oberärztin Dr. Barbara Gailer sowie den Ärzten Dr. Anna Beifuß, Dr. Olga Schander und Stefan Keilhammer beim Patientenforum im Krankenhaus St. Barbara. Bild: hfz/Krankenhaus St. Barbara
Lokales
Schwandorf
10.11.2014
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Im Zuge des Patientenforums Magen-Darm informierte Dr. Christoph Balzer, Chefarzt der Fachabteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Onkologische Gastroenterologie am Krankenhaus St. Barbara Schwandorf, zusammen mit seinem Ärzteteam über Ursachen, Erkennung und mögliche Therapien der nicht-kardialen Brustschmerzen.

"Sodbrennen, Reizmagen oder auch Infektionen der Speiseröhre können Brustschmerzen verursachen, die häufig als Herzprobleme fehlgedeutet werden. Diese sogenannten nicht-kardialen Brustschmerzen schränken die Betroffenen oft in ihrer Lebensqualität ein. Richtig erkannt können die Ursachen allerdings sehr gut behandelt werden", sagte Sr. Balzer. Deshalb sei auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Fachabteilungen am Krankenhaus St. Barbara bei der Diagnosestellung von großem Vorteil für Patienten. Der Begriff "nicht-kardiale Brustschmerzen" beschreibt Schmerzen im Brustraum, die nicht vom Herzen ausgehen. Der Schmerz werde typischerweise hinter dem Brustbein wahrgenommen und von den Betroffenen als drückend oder zusammenpressend beschrieben. Er könne in Nacken, Arme oder Rücken ausstrahlen und in einigen Fällen durch Nahrungsaufnahme verstärkt werden.

Bis zum Dauerschmerz

Die Beschwerdedauer sei unterschiedlich. Sie reiche von wenigen Sekunden über einige Stunden bis hin zum Dauerschmerz, heißt es in der Pressemitteilung. Studien gingen davon aus, dass in Deutschland rund 25 Prozent der Menschen an nicht-kardialen Brustschmerzen leiden.

Neben Erkrankungen der Lunge, des Bewegungsapparats und psychosomatischen Ursachen spielten häufig Funktionsstörungen des oberen Verdauungstraktes, also der Speiseröhre oder des Magens eine Rolle. In der Bundesrepublik gehörten Brustschmerzen neben Bauchschmerzen zu den häufigsten Gründen, warum Patienten notfallmäßig zum Arzt gingen. Sei eine Herzerkrankung erst einmal ausgeschlossen, beginne die Suche nach dem Auslöser der nicht-kardialen Brustschmerzen. "Ein häufiger Grund für nicht-kardiale Brustschmerzen ist der erhöhte Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre, was dort zu Schäden oder Beschwerden wie zum Beispiel Sodbrennen führen kann", erklärte Oberärztin Dr. Barbara Gailer. Mit einer Speiseröhrenspiegelung könne dann festgestellt werden, wie stark die Speiseröhre bereits von saurem Rückfluss angegriffen sei. Bei einer leichten Form werde der Patient zu Beginn normalerweise mit Säureblockern behandelt, die die Magensäure neutralisierten. Der Reizmagen kann ebenso der Grund für nicht-kardiale Brustschmerzen sein. Hierbei handelt es sich um eine Störung der Magenfunktion. Die Beschwerden sind vielseitig und können die Betroffenen unterschiedlich stark beeinträchtigen. "Beim einem Reizmagen können Patienten unter Schmerzen, Völlegefühl, Durchfall, Verstopfung und Übelkeit bis hin zu Erbrechen leiden", fasste Dr. Anna Beifuß die möglichen Krankheitssymptome zusammen. "Auch Entzündungen der Speiseröhre durch Infektionen, spezielle Immunreaktionen, Speiseröhrentumore oder auch einmal Tabletten, die nicht bis in den Magen transportiert wurden, können diese Beschwerden verursachen", erklärte Dr. Olga Schander.

Schluckbeschwerden

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts Berlin erkrankten in der Bundesrepublik Deutschland jedes Jahr mehr als 6300 Menschen neu an Speiseröhrenkrebs. Häufigstes Warnsignal seien Beschwerden beim Schlucken von fester oder auch flüssiger Nahrung, bedingt durch eine Verengung der Speiseröhre. Darüber hinaus könnten ungewöhnliches Würgen und Schmerzen beim Schlucken von Speisen, ein Gewichtsverlust und eben Brustschmerzen auf eine Krebserkrankung der Speiseröhre hinweisen.

Die diesjährige Veranstaltung unter dem Motto "Brustschmerz - nicht immer das Herz. Magen oder Speiseröhre als Auslöser" war mit über 70 Teilnehmern wieder sehr gut besucht.
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