Windpark lässt Annaberg beben

Volles Haus im Gasthaus Schärl: Rund 200 Bürger vornehmlich aus Neukirchen und Umgebung nahmen das Angebot der "Tevaro" wahr und ließen sich über den geplanten Windpark im Stadtwesten informieren. Bilder: Hösamer
Lokales
Schwandorf
21.01.2015
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Im schwarz umrahmten Gebiet westlich von Neukirchen (rechts oben) könnten Windräder gebaut werden. Im hellen Fleck links liegt Kapflhof, in der Mitte rechts Hartenricht. Bild: hfz⁄Tevaro

Arnd von Moers hatte keinen leichten Stand. Rund 200 Bürger, vorwiegend aus Neukirchen und Hartenricht, ließen kaum ein gutes Haar an den Planungen, die der Projektleiter am Dienstag im Gasthaus Schärl vorstellte: Ein Windpark mit mehreren Rotoren im Wald westlich der Stadtteile.

Der Annaberg bebt normalerweise nur, wenn der Burschenverein Neukirchen eines seiner großen Feste feiert. Die seismischen Wellen, die am Dienstag von der Informationsveranstaltung zum Windpark ausgingen, haben Oberbürgermeister Andreas Feller und die anwesenden Stadträte zu spüren bekommen. Im Zuge der Energiewende stehe er der Windkraft offen gegenüber, das Vorhaben müsse objektiv geprüft werden. Das sei die Stadt dem Unternehmen einerseits und allen Schwandorfern andererseits schuldig, sagte der OB. Die Hoffnung Fellers, dass sich eine weitgehend sachliche Diskussion entwickeln würde, zerstob aber schnell.

Projektleiter Moers stellte das Vorhaben der Tevaro vor. Nach den Vorgaben des bayerischen Wind-Erlasses sind auf der Fläche im Stadtwesten Rotoren möglich, im bisherigen Vorentwurf geht das Unternehmen von Abständen von 500 Metern zu kleineren Weilern wie Scheckenberg und 800 Metern zu Dorfgebieten wie Neukirchen aus. Umfangreiche Untersuchungen sind nötig, angefangen von der Windmessung über die Vogelzählung bis hin zur Bodenuntersuchung um festzustellen, ob der Annaberg nicht zu brüchig ist für die Fundamente der Windräder. Für die Region ergebe sich ein wirtschaftlicher Nutzen, so von Moers, finanzielle Beteiligungsmodelle für Bürger oder Genossenschaften seien denkbar.

Problem Infraschall

Infraschall - also Lärm in sehr tiefen, nicht hörbaren Frequenzen - und die Abstände waren die häufigsten Gegenargumente, die teils lautstark vorgebracht wurden. "Spielen Sie mit offenen Karten!", wurde Moers vorgehalten, im Grunde sei doch "schon klar, dass hier gebaut wird." Außerdem könne es nicht angehen, dass die Bürger von einem derartigen Vorhaben aus der Zeitung erführen.



Stadtrat und Kirchenpfleger Heinrich Engelhardt hielt dagegen und erinnerte an die erste Informationsrunde vor rund zwei Jahren: "Das habt ihr wohl vergessen?" Er stellte klar, dass die Kirchenverwaltung als einer der Grundstückseigner Vorverträge mit Tevaro abgeschlossen habe: "Sie sind aber noch nicht gegengezeichnet." OB Andreas Feller und von Moers beteuerten wiederholt, dass noch nicht einmal ein Antrag vorliege. "Wie steht denn die Stadt dazu?", hieß es lautstark. "Wir sind genauso wie Sie hier, um uns zu informieren. Wir werden die Bedenken mitnehmen und dann abwägen," sagte der Oberbürgermeister.

Die Belastung mit Infraschall wurde in mehreren Wortbeiträgen angesprochen. Das Problem: Gesetzliche Grenzwerte dazu gibt es nicht. Mit wachsender Entfernung zur Wohnbebauung würde auch die Infraschall-Belastung sinken. "Machts 1500 Meter Abstand, dann können wir darüber reden" lautete ein Zwischenruf. Mehrere Bürger forderten die Einhaltung der "10-H"-Regel. Dann, so viel stellte von Moers klar, wäre das Projekt vom Tisch. Zwei Kilometer Abstand der Windkraftanlagen zu den Ortschaften sind nicht überall einzuhalten.

Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der Anlagen wurden ebenso laut wie an der Kompetenz des Referenten. Arnd von Moers zog dennoch ein positives Resumee: Für ihn persönlich sei der Abend deshalb wertvoll gewesen, um die Stimmungslage der Bürger zu erfahren. Die war im Schärl-Saal recht eindeutig. Von den 200 Gästen schien keiner für die Windräder zu sein. Zumindest meldete sich kein Befürworter. Jedenfalls nicht für den Windpark vor der Haustür. Generell, hieß es aus der Versammlung, habe man freilich nichts gegen Windkraft.
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