Wirte warnen Allergiker

Viele Wirte weisen ihre Gäste neuerdings mit Infozetteln auf die Möglichkeit hin, die Inhaltsstoffe der Gerichte zu erfahren. Das soll Allergikern helfen, keine allergieauslösende Zutat zu sich zu nehmen. Bild: Dobler
Lokales
Schwandorf
24.01.2015
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Michael Heumann, Wirt des renommierten Wein- und Speiselokals "Hufschmiede" im Schwandorfer Zentrum, ist von der neuen Regelung nicht begeistert. Der Verpflichtung der Gaststätten, seit Mitte Dezember 2014 in den Speisekarten zahlreiche Hauptallergene auszuzeichnen, können er und seine Wirtekollegen wenig abgewinnen. Und er findet deutliche Worte.

Die Kennzeichnungspflicht für Allergene, die in Deutschland seit Dezember von verpackten auch auf lose Lebensmittel ausgeweitet wurde, soll denjenigen Menschen beim Einkauf oder Essen gehen helfen, die an Allergien oder Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten leiden.

Lebensmittel und Inhaltsstoffe, die allergische Reaktionen auslösen können, müssen also seit zwei Monaten auch in Gaststätten dokumentiert werden - darunter Eier, Nüsse, Muscheln, Gluten, Milch und Senf. Bei jedem Gericht auf der Speisekarte müssen Würstlbudenbesitzer genauso wie Sterne-Köche und Caterer auflisten, ob es einen der Stoffe enthält. Die meisten Wirte stellen zurzeit einen Ordner zusammen, den der Gast auf Anfrage einsehen kann.

"Wie ein Beipackzettel"

"Wenn wir in der regulären Speisekarte zu jedem Gericht alle allergenen Stoffe auflisten würden, sieht das aus wie ein Beipackzettel für Medikamente und der Gast glaubt, wir wollen ihn vergiften, wenn er das sieht", macht Michael Heumann deutlich. Beispiel Rinderbrühe: Ei, Sellerie oder Senf finden sich darin, also Stoffe von der Allergieliste. Wer das wissen will, für den entwickelt die Gaststätte derzeit eine eigene Speisekarte, die auf Nachfrage einsehbar ist. Auf diese Karte werden alle Gäste hingewiesen.

Wenige Allergiker zu Gast

Ähnliche Beispiele präsentiert Ulrich Korb von der Regensburger Bezirksgeschäftsstelle des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands. Bei "Spaghetti Vongole" müssten die Weichtiere und das in den Nudeln enthaltene Gluten erwähnt werden, beim Schweinebraten das Gluten in den Knödeln, Sellerie und Senf von der Salatsoße. Korb beteuert, während seiner drei Jahrzehnte in der Gastronomie habe er allerdings keinen einzigen problematischen allergischen Schock eines Gastes erlebt.

In der "Hufschmiede" werden nun alle Rezepte nach Inhaltsstoffen aufgeschlüsselt und sie können eingesehen werden. Für Heumann ist das eigentlich eine überflüssige Arbeit. "Nur ein bis zwei Mal pro Monat kommt vielleicht jemand zum Essen, der sagt, er sei Allergiker. Mit dem reden wir dann und geben Empfehlungen." So war das bislang und das habe sich bewährt.

Kontrolliert wird die Einhaltung der Allergie-Verordnung vom Landratsamt. Dort sieht man den Schwerpunkt der Arbeit derzeit noch im Beraten der Gaststätten. "Denn der Informationsbedarf ist groß", weiß Franz Pfeffer, der Pressesprecher der Behörde. Immerwieder kämen Mails von Betrieben, in denen um praktische Hinweise zur Umsetzung gebeten würde.
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