Wirtschaftlicher Stabilitätsfaktor

Der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Ulrich Maly (Mitte), im Gespräch mit Kreishandwerksmeister Christian Glaab (rechts) und dessen Stellvertreter Arnold Köppl (links).
Lokales
Schwandorf
07.11.2014
2
0

Ohne das Handwerk wären Städte und Gemeinden in der heutigen Form undenkbar. Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly lobte es über den grünen Klee und hat dafür sehr gute Gründe, die er am Donnerstagabend im Charlottenhof darlegte.

"Wenn die Autoindustrie hustet, trifft sich ein Wirtschaftsgipfel bei der Kanzlerin", sagt Dr. Ulrich Maly. Wenn dagegen das Handwerk Probleme bekomme, schere sich kaum jemand darum. Diese ungleiche Gewichtung ist für den Präsidenten des Deutschen Städtetages ungerecht. Beim "Abend des Handwerks" am Donnerstag im Ausbildungszentrum Charlottenhof brach der Nürnberger Oberbürgermeister eine Lanze für die Handwerksbetriebe, "ohne die die Entwicklung der Städte und Gemeinden in der heutigen Form undenkbar gewesen wäre".

Vor 100 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik, Behörden und Schulen spannte Maly den historischen und kulturellen Bogen vom Mittelalter in die heutige Zeit und stellte fest: "Die manuellen und kreativen Fähigkeiten der Menschen waren stets dem Handwerk geschuldet." Der Mittelstand sei wirtschaftlich stabiler als die Industrie und zudem Träger der dualen Ausbildung, "die inzwischen immer mehr Länder kopieren".

Die historischen Wurzeln des Handwerks in die Gegenwart zu transferieren und der Branche "deutlich mehr Wertschätzung" entgegenzubringen, darin sieht der promovierte Volkswirtschaftler eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der Präsident des Deutschen Städtetages nimmt die Kommunen in die Pflicht und fordert sie auf, die Aufträge nach Möglichkeit an örtliche Betriebe zu vergeben. Hier gingen viele Städte und Gemeinden mit gutem Beispiel voran, betonte der Nürnberger Oberbürgermeister, wie eine Vergabequote an regionale Unternehmen von fast 70 Prozent beweise.

Ein Stück Kultur

Die familiengeführten Firmen bei Expansionswünschen oder Finanzierungen zu unterstützen und zu begleiten, sei für Ulrich Maly eine weitere Aufgabe der Kommunen. "Die Handwerksbetriebe sind ein Stück Kultur in unseren Städten und Gemeinden", betonte der SPD-Politiker. Sie gingen im Gegensatz zu Großkonzernen nicht ins Ausland, sondern dienten dem Bürger vor Ort.

Kreishandwerksmeister Christian Glaab wünscht sich eine bessere Darstellung des Handwerks in der Öffentlichkeit. "Wenn es dem Handwerk gut geht, dann geht es auch den Kommunen und den Beschäftigten gut", so der Schwandorfer Bäckermeister. Kritisch steht er dem Freihandelsabkommen zur Beseitigung der Zoll- und Marktzutrittsbeschränkungen gegenüber und bemängelt "die fehlende Transparenz". Ein "riesiges Imageproblem des Handwerks" hat auch Dr. Georg Haber ausgemacht. Der Präsident der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz fordert "eine konzertierte Aktion von Handwerk, Politik und Gesellschaft zur Verbesserung des Ansehens". Am Geld könne das Ungleichgewicht von akademischer und beruflicher Bildung nicht liegen, so der Kammerpräsident, "denn ein Handwerksmeister befinde sich beim Einkommen durchaus auf Augenhöhe mit einem Akademiker".

Dass der Landkreis wirtschaftlich so gut da stehe, sei in den Augen von Landrat Thomas Ebeling ein wesentlicher Verdienst des Handwerks. Von einem wirtschaftlichen Abschwung hat stellvertretender Kreishandwerksmeister Arnold Köppl noch nichts gemerkt. Der Handwerksmeister in der Heizungs- und Sanitärbranche beobachtet, "dass viele Leute ihr Geld in Gebäudesanierungen stecken". Der Musiker Florian Christl eröffnete mit seinem Ensemble den "Abend des Handwerks" mit der Eigenkomposition "Geträumt" in C-Moll. (Zitate)
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8194)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.