Wohnhaus in Burglengenfeld angezündet - Gericht verurteilt 23-Jährigen
Geisterjäger als Brandstifter

Lokales
Schwandorf
24.07.2015
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Erst schaute er sich bizarre Gestalten in Horrorfilmen an, danach ging der 23-Jährige selbst auf "Geisterjagd". Die Suche in einem leer stehenden Wohnhaus gleich neben dem Friedhof verlief allerdings erfolglos.

Womöglich war das der Grund, weshalb der an einer Persönlichkeitsstörung leidende Mann bei seinem Abgang Feuer legte. Auf der Friedhofstraße in Burglengenfeld (Kreis Schwandorf) schossen meterhohe Flammen aus einem Dachstuhl, als Löschmannschaften der Feuerwehr eintrafen. Zu retten war kaum mehr etwas. Das über längere Zeit hinweg unbewohnte Einfamilienhaus musste später abgerissen werden.

Die Inhaber bekamen 50 000 Euro von der Versicherung. Noch als es aus der Ruine qualmte, stellte sich der Täter den Behörden und schilderte vor verblüfften Polizisten, wie er sich "einen Kick bei der Geistersuche" verschaffen wollte. Der 23-Jährige, heute in Nürnberg lebend und nach Angaben einer Psychiaterin "in seiner Persönlichkeit gestört und mit vermindertem Einsichtsvermögen", hatte zunächst Freunde aufgefordert, ihn bei seinen nächtlichen Exkursionen zu begleiten. "So ein Schmarrn", antworteten sie.

Mit Handy gefilmt

Da brach er allein auf, besichtigte im Dunkeln alle Räume des noch teilweise möblierten Hauses, filmte seinen Nervenkitzel mit dem Handy und rief lauthals dazu: "Ich muss hier raus!" Bei einer weiteren Tour gelangte der angetrunkene und unter Psychopharmaka stehende Franke hinauf ins Obergeschoss und zündete einen Teppich an. Warum er das tat, konnte der Mann nicht sagen. Vor einem Schwandorfer Schöffengericht erzählte er jetzt: "Ich wollte wirklich noch löschen". Dazu nahm er eine angeblich herumliegende Dose und schüttete deren Inhalt in die Flammen. Es handelte sich um eine brennbare Flüssigkeit. Sekunden später gab es einen explosionsartigen Knall. Auch von dem sofort in Vollbrand stehenden Dachstuhl war jetzt beim Prozess ein Video zu sehen. Der Angeklagte hatte es aufgenommen, als er in seine benachbarte Wohnung flüchtete.

Der "Geisterjäger" bekam 22 Monate Haft mit Bewährung. In seiner fränkischen Heimat wird der Mann gegenwärtig therapeutisch behandelt. Das sei dringend notwendig, hatte die Psychiaterin geraten. "Wenn noch einmal etwas passiert, müssen Sie mit einer dauerhaften Unterbringung rechnen", warnte ihn der Richter. Schon vor der Brandstiftung hatte der Nürnberger für eine Reihe merkwürdiger Ereignisse gesorgt, die bei den Behörden aktenkundig wurden.
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